goneforthewild
26Aug/110

Namibia und Südafrika

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25Aug/113

Kapstadt

Da bin ich nun also in Kapstadt! Mein Ziel ist erstmal erreicht, ich sitze am Atlantik. Wegen des schlechten Wetters  kann man den Tafelberg nicht sehen, nur hin und wieder schaut der Lion's Head hervor. Der erste Eindruck von  Kapstadt ist prima. Wunderschön zwischen Berg und Meer gelegen ist es eine schöne, aber doch überschaubare Großstadt. Mehr als 2 Wochen bleiben mir hier um auf Entdeckungsreise zu gehen, ans Kap der Guten Hoffnung zu  radeln, auf den Tafelberg zu steigen und nochmals nach Paarl und ins Weinland zum wandern zu gehen.
Kapstadt hat etwa 3,5 Millionen Einwohner, wirkt aber auf den ersten Blick recht gemütlich und deutlich kleiner, was  wohl daran liegt, dass die meisten Einwohner in den vielen Vororten leben. Die meisten Schwarzen leben eher ärmlich in Vororten und  Townships (Khayelitsha, das Größte Township Kapstadts hat vermutlich mehr als 1,5 Millionen Einwohner), die Innenstadt ist so mehr oder weniger den Weißen und einem Teil der Farbigen vorenthalten.

Meine Aufregende Reise liegt nun hinter mir, doch die Eindrücke und Erlebnisse werden noch sehr lange in meinem Kopf  herumschwirren, bevor sie verarbeitet sein werden. All die positiven, wie auch die negativen Ereignisse werden mich  noch eine ganze Weile beschäftigen. Das Fotos durchgehen und sortieren wird mir dabei helfen, verschwindet doch sonst vieles doch so schnell wieder in den Tiefen der Gehirnwindungen.

Ein erstes Fazit will ich an diesem Punkt aber schon abgeben:

Über drei Monate mit dem Fahrrad quer durch Afrika. Erstaunlich gute Strassen machten das Radfahren an sich recht einfach. Wilde Tiere stellten kein Problem dar, auch wenn selbst die Einheimischen micht immer wieder fragten, ob ich denn keine  Angst vor Löwen oder dergleichen hätte. Die Frage ob es in der jeweiligen Gegend denn wilde Tiere gäbe wurde aber, mit Ausnahme um den Mikumi National Park in Tansania, stets verneint. Der Durchschnitts-Afrikaner kommt kaum 30 Kilometer über die Grenzen seines Dorfes hinaus, und erzählt nur Geschichten, hat aber selbst kaum eine Ahnung von seinem Kontinent. Tatsächlich habe ich am Strassenrand einen Elefanten, Giraffen, Zebras, Warzenschweine, verschiedene Antilopen und ähnliche Wildtiere gesehen, nichts gefährliches wie Löwen oder Leoparden. Nicht eine einzige lebende Schlange kam mir über den Weg. Die Malariagefahr ist zumindest in der Trockenzeit recht überschaubar. Ist man nicht gerade im Sumpfgebiet unterwegs, hat man zuhause am Bodensee deutlich mehr Moskitos als in den Teilen Afrikas, in denen ich unterwegs war. Meine Malariaprophylaxe habe ich nach 2 Monaten kurz nach Lusaka (Sambia) abgesetzt. Größere Probleme mit dem Rad blieben aus, Speichenbruch am Hinterrad (insgesamt 9 gebrochene Speichen) und ein am Ende seiner Lebenszeit stehendes Tretlager, sowie der Mangel an Bremspads für die Scheibenbremse bereiteten mir Kopfzerbrechen. Letzteres konnte ich lösen, da es in Windhoek den ersten modernen Fahrradladen meiner Reise gab, das Hinterrad und das Tretlager hielten glücklicherweise bis Kapstadt durch.
In großen Teilen der Reise war das Essen einfach und nicht besonders abwechslungsreich, dafür aber günstig, und wie auch das Wasser stets reichlich vorhanden. Auf der gesamten Tour habe ich nur einmal für Wasser Geld gezahlt - der Plastikflaschen wegen. Die Qualität der vielen Pumpbrunnen war vor allem in Malawi und Sambia hervorragend. War in Kenia und Tansania das Essen meist "deep fried" (fritiert), gab es in Malawi und Sambia mehr frisches oder gekochtes Gemüse. Nsima, bzw. Ugali, ein Maismehlbrei ist das Hauptnahrungsmittel der Einheimischen in diesen Ländern. In Namibia und Südafrika wird es hingegen relativ westlich und fleischbetont. In großen Supermärkten wird die ganze Palette angeboten, während in den Ländern zuvor nur kleine Shops und Marktstände die Lebensmittel anbieten, und die Auswahl klein ist.
Viele nette und hilfsbereite Menschen habe ich getroffen. Boshaftigkeit, Kriminalität oder Gewalt dagegen waren äußerst selten. Zu keiner Zeit habe ich mich persönlich gefährdet, fast immer im Gegenteil, sehr sicher gefühlt. Doch die grandiose Gastfreundlichkeit der Länder im nahen Osten war leider nicht vorhanden. Fast immer wird eine Gegenleistung erwartet, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Wurde ich angesprochen, wollte der Gesprächspartner am Ende nicht selten (sagen wir meistens) Geld von mir. Das finde ich insofern sehr schade, da ich viele Gespräche oder Hilfen von vornherein ablehnte, dadurch allerdings garantiert so manche positive Überraschung verpasste.
Die Eindrücke der Reise waren nicht nur schön, auch Schwierigkeiten und negative Erlebnisse sowie  Probleme und die große Armut in Afrika konnte ich sehen.
Allgegenwärtig sind die Folgen der Kolonisation und Missonierung zu sehen, welche zwar die Zivilisation, damit aber auch viele, den Menschen bis daher unbekannte Probleme brachten. Die ursprüngliche Kultur geht mehr und mehr verloren und mit ihr die Identität der Menschen. Denn in der neuen zivilisierten Welt finden sich die meisten nicht zurecht. Die Mentalität der Menschen passt nicht mit den aufgedrückten Wertevorstellungen überein. Überall konnte ich sehen, wie Dinge nur zum gerade so Funktionieren gemacht wurden, statt diese gut oder schön zu machen. Statt die schäbigen Behausungen, die ekelhaften Toiletten oder die nicht funktionierenden Stromleitungen zu reparieren, verbessern oder verschönern, ist die arbeitsfreie Zeit häufig von Antriebslosigkeit, Langeweile und Alkoholkonsum geprägt. Aktivitäten, die nur zum Genießen ausgeübt werden, sowie Hobbys sind weitgehend unbekannt. Anstöße zu Verbesserungen müssen fast immer von Außen kommen, diese werden allerdings häufig mit großer Begeisterung von den Einheimischen ausgeführt - zumindest so lange der Anstoß anhält.
Das Schulsystem in den meisten Ländern klingt erstmal nicht schlecht: Primärschulen waren immer kostenlos, Sekundärschulen häufig ebenfalls. Viele Privatschulen verbessern das Lehrangebot für die Reicheren. Bei näherer Betrachtung sieht man allerdings auch hier Defizite: schlechte Lehrpläne, den Fokus auf auswendig erlerntes Wissen statt Verständnis. Da Schulen häufig zwar kostenlos, der Schulbesuch aber keine Pflicht ist, oder die Pflicht nicht kontrolliert wird, schicken viele vor allem ärmere Familien ihre Kinder nicht in die Schule oder unterstützen sie nicht. Da die Familien sehr kinderreich sind bleibt für das einzelne Kind nicht viel vom Kuchen übrig. Die Folge ist eine immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Am besten konnte ich das in Südafrika sehen, wo die kinderarmen Reichen (meist Weiße) mit guter Bildung deutlich besser dastehen als die Armen (meist Schwarze), was man ihnen nicht vorwerden kann.
Viele Probleme sind hausgemacht, kulturell bedingt aber schwer zu verändern.
Je abgeschiedener die Dörfer waren, umso weniger Probleme und umso mehr Zufriedenheit konnte ich finden. So strahlten die Menschen im kleinen Malawi trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer einfachen Lebensweise eine viel größere Zufriedenheit aus, als die Menschen in touristisch oder wirtschaftlich entwickelteren Ländern wie Tansania oder Kenia. In Namibia und Südafrika ist die Unzufriedenheit angesichts der Unterschiede zwischen Arm und Reich nochmals deutlich größer. Doch von den Armen kommt auch nicht viel Eigeninitiative, um die Situation zu verändern.
Landschaftlich gesehen waren die durchfahrenen Gegenden recht schön, aber doch ein wenig abwechslungsarm. Tansania war meist hügelig oder flach, Sambia und Namibia mit sehr kurzen, hügeligen Ausnahmen über hunderte Kilometer topfeben. Landschaftliche Höhepunkte gab es für mich in Malawi mit dem Malawisee und den Rändern des Ostafrikanischen Grabenbruchs, als auch in den eindrucksvollen Bergen Südafrikas.
Insgesamt eine sich überaus lohnende und belehrende Reise, wenn auch nicht eine nur zum Genießen. Von allen Ländern hat mich Malawi landschaftlich als auch kulturell am meisten positiv überrascht. Viele Erlebnisse und Eindrücke, sowie jede Menge Begegnungen werden für immer im Gedächtnis bleiben.

Danke an Alle, die meinen Blog verfolgt haben.
Ich möchte wenn ich zurück bin für alle interessierten im Rahmen einer kleinen Wieder-Zurück-Party einen kleinen Diavortrag vorbereiten :)

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16Aug/113

Suedafrika

Huhu... mich gibt's noch, hab mich zwar eine ganze Weile nicht mehr gemeldet, aber mir geht's nach wie vor prima. Es wird einwandfrei fuer mich gesorgt :)

Langer Text, der wartet kommentiert zu werden :p

 

 

05.08.2011, 20:00

4 Tage bin ich nun seit Windhoek unterwegs. Am ersten Tag bin ich erst spaet los, ueber ein paar easy Berge , danach alles flach bis Rehoboth gefahren. Rehoboth ist ein krasser Kontrast zu Windhoek. Blechhuetten und dreckige Strassen, der Platz vor dem Supermarkt ist bevoelkert von Bettlern. Ein erster Eindruck der Ungleichheit im Land. Die hohe Arbeitslosigkeit ist spuerbar. Ich fahre lieber noch weiter, campe etwas mehr als 10 Kilometer nach der Stadt an einem kleinen Weg der seitlich von der Strasse abzweigt. Ein schwarzer (ab sofort schreibe ich die Hautfarben schwarz, weiss und farbig dazu, weil man sonst ja nicht weiss um was es sich handelt) Mann mit Pferd kommt vorbei und fragt nach dem Weg und nach Wasser. Ich kann ihm beides geben.
Die naechsten 2 Tage sind gepraegt vonebener Strecke und Rueckenwind. Neben dem Ort Mariental gibts nicht viel, ausser der Geisterstadt Asab und wieder einem traurigen Oertchens namens Tses. Kinder betteln mich an und schauen mir beim Mittagessen zu. Ich fuehle mich schlecht dabei, lasse die Tafel Schokolade lieber verschlossen in der Tuete, geniessen kann ich sie so sicherlich nicht. Ab Tses dreht der Wind auf West, so komme ich nur noch deutlich verlangsamt voran, schaffe aber dennoch genau die 200 Tageskilometer bis zum Schlafplatz unter freiem Himmel. Die Zeltheringe wollen nicht so recht in den Boden und Westwind ist warm, also warum nicht ohne Zelt. Wieder kommt einer vorbei. Seltsam, dass in dieser Einoede Menschen sind. Ich teile mein Abendessen und mache Tee fuer uns beide, bevor er sich in sein Dorf verabschiedet. Freude :) In der Nacht dreht der Wind auf Sued. Eiseskaelte. Und was viel schlimmer ist, Gegenwind am Tag drauf. Ich fahre im Schneckentempo nur bis Keetmanshoop. In dieser elendig oeden und langweiligen Landschaft ohne kulturelle Anreize brauche ich den Rueckenwind wohl, um nicht mental zum Wrack zu werden. In Keetmanshoop werden die Unterschiede zwischen Arm und Reich ersichtlich. Linker Hand die Wellblechhuetten, rechter Hand schoene Haeuser, Kirchen, Supermaerkte, Banken. Kein kultureller Hoehepunkt meiner Reise. Zum Glueck konnte ich den plumpen Versuch von 2 Jungs, meine Kamera zu stehlen abwenden, sonst waere meine Moral wohl komplett den Bach herunter. Einer: "Hey, schau ma was ich fuer tolle Musik hab", steckt mir Kopfhoerer ins Ohr, der andere greift derweil von der Seite nach meiner Kamera. Glueck gehabt. Aber ist ein Warnschuss fuer mich, muss wohl mehr aufpassen. Ich hasse es misstrauisch zu sein Ich fahre ein bisschen aus der Stadt, will auf einem Campsite naechtigen, doch 140 N$ (14Euro) ist zuviel, ich radle weiter. 2 Kilometer weiter frage ich (weisse) auf einer kleinen Farm ob ich mein Zelt aufschlagen darf. Natuerlich! Kostenlos. Inklusiv Bad - das Wasser dreht sich uebrigens gegen den Uhrzeigersinn im Ablauf. Wollt ich schon immer mal wissen, ob es wahr ist, dass es auf der Suedhalbkugel andersrum ist, also bitte ma testen und kommentieren - Morgen gibts Fruehstueck serviert. Alles wieder gut. Wie schnell sich alles aendern kann.

 

Radfahrtechnische Gedanken:

Liebe LKW: Es freut mich, dass ihr euch freut, wenn ihr mich seht und mich deshalb freudig anhupt... Ich freue mich allerdings NICHT! Ihr seid vielmehr meine Feinde. Ihr seid laut, stinkt, und wenn ihr mir entgegenkommt beschehrt ihr mir Gegenwind. Wenn ihr dann genau neben mir hupt, damit mir mein Trommelfell fast platzt, kann ich mich nicht wirklich darueber freuen. Ich gruesse dann auch unter Garantie NICHT (!) zurueck. Basta! Nehmt's mir nicht uebel. Danke.

 

Aus dem Regelwerk fuer Radreisende:

Glaube niemals jemanden, der behauptet, es ginge nur noch bergab ! Es wird nicht stimmen.

 

12.08.2011, 8 Uhr

Ich bin ein klein wenig faul geworden mit den Eintraegen. Eine ganze Woche habe ich nichts geschrieben. Anfangs hatte ich mehr kurze Pausen genutzt, in der Teestube einige Saetze geschrieben. Doch hier gibt es sowas nicht. Ueberhaupt mach ich kaum kurze Pausen mehr, ist auch schwierig wenn man nur 1 oder 2 Orte am Tag passiert. Das aendert sich nun jedoch so langsam, das wenig bevoelkerte Gebiet liegt nun hinter mir.
In den 7 Tage von Keetmanshoop bin ich weit gekommen. Zuerst war der Wind immernoch das beherrschende Thema. Ein weiterer Tag mit Rueckwind und ueber 190 Kilometer. Abends machen mir die Zaeune zu schaffen. Ich ignoriere diese und klettere mitsamt Fahrrad und Gepaeck drueber.
Die zweite Nacht habe ich es bis zur Grenze geschafft, davor mein Zelt in der Orange River Lodge aufgestellt. Am naechsten Tag durch die Suedafrikanische Buerokratie. 6 Stationen bis ich die Grenze letztendlich passieren durfte.: Police Control, Immigration Office, Customs Office, nochn komisches Office, Customs Control und der abschliessende Police Control, der dann auf meinem Laufzettel kontrolliert ob ich alle Stationen ordnungsgemaess durchlaufen habe.
Dann geht's den Berg hinauf. Erst schoen durch ein Tal, doch schon bald ueber viele Kilometer flaaaaaaaaach und geeeeraaaaaaade bergan. Ich fahre und fahre, doch es nimmt kein Ende. Ich kaempfe mit den Schmeissfliegen und meinem Willen weiterzutreten. Aetzendes Teilstueck. Nach knapp 40 Kilometer bergan geht es 10 Km bergab, damit es dann wieder 10 Kilometer bergauf gehen kann. Das Ganze wiederholt sich so immer weiter bis heute. Bergauf - Bergab - Bergauf - Bergab. Die Strasse dabei meist aetzend gerade, kaum Kurven, das Terrain wird einfach ignoriert. Haesslich fuer Radfahrer und extrem psychisch fordernd fuer mich. Zum Glueck aendert sich die Landschaft wenigstens etwas. Es wird bergiger und gruen. Ueberall toll farbige Blueten. Abends finde ich meist ganz gute Schlafplaetze. Einmal fahre ich zu einem Haus in einem wunderschoenen Seitental um zu fragen, ob ich mein Zelt aufstellen kann. Aber es ist keiner da. Es ist schon spaet, also stell ich mein Zelt einfach so am kleinen Bach aufgestellt. Am naechsten Tag steht eine Thermoskanne mit Kaffee und eine Box mit Brot+Ei und Orangen vor dem Zelt. Willkommen in Suedafrika :)
In Vanrhynsdal (gestern) gehe ich ins Touristeninformationsbuero, bekomme Karten und eine persoenliche Fuehrung nur fuer mich durchs kleine Museum. Dann geht's mit starkem Sued- (Gegen)wind weiter. Hohe Schleierwolken kuendigen schlechtes Wetter an. Am Abend biege ich von der Hauptstrasse (N7) ab, die so langsam etwas nervig wird. Zum einen weil sich noch immer jegliches Terrain ignoriert, weshalb es staendig bergauf - bergab geht, zum anderen weil der Region bewohnter wind und der Verkehr doch recht deutlich zunimmt. Die alte Strasse entlang des Olifant Rivers ist ungeteert aber ganz ordentlich befahrbar. Kaum Verkehr, wunderschoen im Tal gelegen, links die Berge. Als es dunkel wird, frage auf einer Farm (weisse) ob ich mein Zelt aufschlagen kann. "We will make a plan for you." - Dusche, Abendessen, Gaestezimmer mit richtigem Bett (das erste eigene Bett seit Tansania), Fruehstueck, etc. Gastfreundschaft als westliche Selbstverstaendlichkeit: "Our Pleasure".
Und heute tatsaechlich. Das angekuendigte schlechte Wetter ist da. "If you feel like it, we are happy if you stay one more, you can relax a bit here."
(Etwa 35 Km vor Clanwilliam)

16.08.2011, 8 Uhr

Ich nutze den schlechten Tag zum ausruhen und Speichen vom Hinterrad ersetzen, bevor es ueber schlechte Piste ueber die Berge geht, sollte mein Fahrrad Tip-Top sein. Es ist mein erster Radfreier Tag seit Windhoek. Ich habe mich schon so ans taegliche Fahren gewoehnt, dass ich die Pause eigentlich gar nicht unbedingt noetig hatte.
Am Tag drauf (13.08.) geht's erst noch ein Stueck entlang des Olifant Rivers, bevor es Richtung Berge (Ceder Mountains) abbiegt. Der Ort dort heisst Algeria, ist aber nicht mehr als eine Ansammlung Ferienhaeuser und einem Campingplatz. Ich moechte auf dem Campingplatz naechtigen, werde aber kurz davor von einer Gruppe (5) junger Leute (weisse) angesprochen und in ihr fuers Wochenende gemietete Ferienhaus eingeladen. Es gibt genug freie Betten und Essen. Also erneut im warmen Bett schlafen. Man koennte sich schon wieder so langsam daran gewoehnen. Eine Decke ist doch etwas angenehmer als immer im Schlafsack zu schlafen. Und die richtige Matratze fuehlt sich schon gut an... Es gibt lecker Abendessen, Nachtspaziergang und jede Menge Wein. Am tag drauf (14.08.) geht's weiter. Uber einen von Norden her eindrucksvollen Pass in eine Art Hochtal, das sich ganz schoen lange hinzieht, alles in wundervoller Bergkulisse. Tolle Gegend. Da ist er, der erste angekuendigte landschaftliche Hoehepunkt Suedafrika. Heute, Sonntag auf Montag bei kaltem Wetter sind kaum Ausfluegler in dieser Gegend, so dass die Campsites alle leer sind, was sie fuer mich unnoetig machen. Auch wenn 35 Rand nicht viel Geld ist (3,50 Euro) ziehe ich es deshalb vor, noch weiterzufahren. Allein sein kann ich auch fuer lau. Ich finde einen tollen Platz im grandiosen Tal, eingerahmt von hohen Felsen, ein kleiner Bach mit kaltem, klarem Wasser vor der Haustuere. Der Weg von der Strasse ab in dieses Tal ist zwar nur fuer authorisierte Personen gedacht, aber das juckt mich reichlich wenig, schliesslich habe ich weisse Haut. Das Ergebnis: Kein Mensch da, grossartiger Platz, kleines Lagerfeuer vorm Zelt, das mich ausreichend waermt.
Am naechsten morgen (15.08.) ist es bitterkalt. Bis die Sonne ueber die Berge kommt bin ich schon eine ganze Weile auf dem Rad. Ich wuerde ja gerne schlafen, bis es etwas warm ist, ich haette theoretisch ja jede Menge Zeit, aber die Naechte sind so schon viel zu lange, und nachdem ich mein Buch ("Shaka Zulu") ausgelesen habe, ist im Zelt nicht mehr viel zu Tun. Zum Fruestueck geht's einen ordentlichen Pass hoch, damit es oben im naechsten Hochtal wieder flach weitergeht. Ich warte noch immer auf eine tolle Passabfahrt. Eigentlich gab es sowas die ganze Reise ueber nicht. Nach etwa 70 Kilometern flach ist es dann endlich soweit. Nach Ceres geht's auf wunderbar geteerter Strasse mit grandioser Aussicht flott ins Tal hinab. In Ceres merke ich aber, dass mein anvisiertes Ziel fuer den Tag, Paarl, nicht mehr zu schaffen ist. Knappe 100 Kilometer stehen schon auf dem Tach, 70 Kilometer waeren es noch. So gehe ich schnell einkaufen, werde aber bald einem dicken farbigen (nicht schwarz!) angesprochen, ein Lokalpolitiker wie sich herausstellt. Er redet viel, ist aber supernett und begeistert von meiner Reise. Am Ende kann er mir ein Bett fuer die Nacht organisieren. Er selbst wohnt nicht in Ceres, er leitet mich aber an eine Politiker- Kollegin weiter, bei der ich schlafen kann. Die Leute sind superfreundlich, die Tochter zieht nur wegen mir aus ihrem Zimmer aus, aber irgendwie ist es auch seltsam. Dieses westlich Zuvorkommende gibt es nicht so. Es wird versucht es mir ueberaus recht zu machen, manchmal etwas uebers Ziel hinaus, und ohne mich zu fragen was ich denn mag. Nebenbei sind die Leute intressiert an meiner Reise, aber ich habe das Gefuehl sie trauen sich nicht richtig mich danach zu fragen, oder mich irgendwas zu fragen. Der Umgang scheint ungewohnt. Aber wie gesagt sehr nett. Als  Politikerin hat die Frau ein schoenes, recht grosses Haus, die Einrichtung will westlich sein, aber die Aufteilung ist aeusserst komisch. Wieder sehe ich ueberall dieses afrikanische Problem. Hauptsache die Dinge funktionieren, schoen oder richtig gut muss es nicht sein. Teppich ueber die kaputten fliessen, und haessliche Tiefkuehltruhe zwischen die Kuechenzeile gepfercht, auf der 4 Kaffeemaschinen stehen. Doch es wird nur Instantkaffee gemacht.

 

16.08.2011, 22 Uhr

Bin heute von Ceres (nur) etwa 75 Kilometer ueber den wunderschoenen Bains Kloof Pass bis Paarl gefahren. Das war vielleicht die schoenste Strasse der ganzen bisherigen Tour. Grossartige Gegend, kleine, kaum befahrene Strassen, entlang eines rauschenden Baches ueber wunderschoene Berge.
In Sambia habe ich die Bekanntschaft netter Suedafrikaner (weisser) gemacht,  die mich in ihr Haus nach Paarl eingeladen haben. Angekuendigt hatte ich meinen Besuch schon per Email, hatte aber seither kein Internet mehr um zu pruefen ob das in Ordnung geht. Anhand der Adresse auf der Visitenkarte finde ich das Haus, und druecke die Klingel. "Rouven, is it you?". Und schon bin ich im Haus. Richtig liebe Leute, wieder ein Bett fuer 2 Naechte. Morgen wandere ich mit der Tochter direkt in die Berge ueber Paarl und mache einen kleinen Ausflug ins Studentenstaedtchen Stellenbosch.
Mir geht's weiterhin prima. So gut wie in Cape Town.

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2Aug/112

Namibia

Eintrag 27.07.11, 12:30

Ich sitze auf einem Rastplatz auf einer Steinbank an einem Tisch und esse Salami- und Kaesebroetchen zu Mittag. Als Nachtisch Schokolade. Neues Land, neues Glueck. Deutschland Sued-West, wie die Kolonialmenschen zu sagen pflegten, oder heute besser Namibia ist sicher deutlich anders als man sich Afrika so vorstellt, und sehr viel anders als was ich bisher erlebt habe. Ziemlich gut entwickelt und westlich gepraegt, grosse Supermaerkte, "gutes Essen". Zumindest in den Staedten ist das so. Ganz im Gegensatz zu den letzten 200 Kilometern in Sambia, wo sich mir Afrika nochmal sein unterentwickeltes Gesicht zeigen konnte: Lehmhuetten  mit Strohdaechern, netten Menschen ohne Englischkenntnisse, denen es sogar schwer ist begreiflich zu machen, dass ich Wasser brauche. Wasserstellen gibts nur alle 50 Kilometer, 5km auf sandigem Pfad von der Strasse entfernt. Ein Glueck muss ich dort hin nicht hin. Der nette Herr fuellt meine Flaschen aus seinem Wasserbottich. Klares Trinkwasser. Wie ueberall in Sambia Trinkwasserqualitaet. In Namibia wird jetzt Wasser ein interessantes Thema fuer mich werden. In einem der trockensten Laender der Erde heisst es die Flaschen immer gut gefuellt zu halten.

 

30.07.2011, 14:00

Wow! Kaum passiere ich die Grenze, bin ich schon kurz vor der Hauptstadt Windhoek. Morgen frueh werde ich dort ankommen. Wieder ein perfektes Beispiel wie sich meine Plaene vom einen auf den naechsten Moment aendern koennen. Also doch nicht nach Botswana: Am 2. Tag Namibia haben mich Silvia aus Deutschland und Kirsten aus Daenemark, die ich zuvor in Livingstone getroffen habe mit ihrem VW-Bus ueberholt. Wasserflaschen aufgefuellt, dann kurzerhand das Angebot angenommen bis zur Abzweigung nach Botswana mitzufahren. Getreu dem Motto: Lieber mehr Zeit in schoener Gegend verbringen. Hier ist es furchtbar eintoenig. Ueber hunderte Kilometer ebene Strecke, keine Aenderung der Vegetation. So gut wie keine Menschen auf der Strecke die fuer etwas Abwechslung sorgen koennten. Langeweile fuer einen Landschaftsgeniesser wie mich. Die Aussicht auf die naechsten ebenen 1000 Km durch Botswana machen mir die Entscheidung weiter mit den Maedels mitzufahren leicht. Wir uebernachten in einem netten Campsite, dann gehts weiter. In Otjiwarongo trennen sich unsere Wege, ich fahre nach Sueden, die Beiden nach Swakopmund im Osten. Noch schnell im Superdupermegaspar alles was das westliche Herz begehrt eingekauft: Wurst, Kaese, Koernerbrot, Gummibaerchen, Schokolade. Und das zu erschwinglichen (europaeischen) Preisen. Namibia ist ein modernes Land. Das liegt selbsdtverstaendlich auch an der Kolonialgeschichte. Ueberall deutsche Namen. Aber die Unterschiede sind riesig. Namibia liegt bei nem Index der die Schere zwischen Arm und Reich berechnet auf Platz 1 in der Welt. Aber auch viele Schwarze profitieren. Die Leute sitzen im Park und geniessen die freie Zeit. Ein ganz neues Afrikaerlebnis fuer mich. Fahrradtechnisch laeufts ganz gut. Nordostwind hilft, die Strecke ist weiterhin topfeben, allerdings gibts rechts und links wenigstens hin und wieder Berge an denen ich mich orientieren kann, so dass ich nicht nur tatsaechlich vorankommen, sondern auch das Gefuehl dafuer habe. Nach Windhoek solls aber etwas bergiger werden und noch trockener. Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist enorm. Tagsueber angenehme 25 Grad, nachts gefrieren meine Wasserflaschen komplett durch. Ich schaetzxe -5 Grad. Also tief in den Schlafsack gekuschelt!
Etwas schade finde ich hier, dass die Strasse hier ueber hunderte Kilometere gesaeumt ist von Zaeunen. Alles Privatbesitz, Rinderzuchtfarmen. So ists recht schwierig einen guten Schlafplatz zu finden. Aber irgendwie gehts dann doch immer. Bin ein paar Kilometer in eine der ungeteerten Nebenstrassen gefahren, wo so gut wie kein Verkehr ist, und hab mich dor an die Seite gestellt. Das war eigentlich ganz gut. Wuerde gerne einfach bei den Farmen fragen, aber die dick verschlossenen Tore reden leider nicht mit mir :(

 

02.08.2011, 11Uhr

Bin nun seit 2 Tagen in Windhoek, fahre aber heute noch weiter nach Sueden. Hab gestern die noetigen Dinge erledigt. Ich habe sogar neue Bremsbloecke fuer meine Scheibenbremse im modernen Radladen (Cycletech in Klein-Windhoek) gefunden und gleich eingebaut. Endlich wieder eine Vorderbremse :-D
Windhoek ist eine moderne Stadt, koennte so auch in Europa sein, waeren da nicht so viele Schwarze.
Hab meinen Rueckflug gebucht. Kapstadt nach Frankfurt am 05.September mit Etihad. Freue mich drauf, aber mindestens genau so freue ich mich auf die weitere Reise. Suedafrika wird landschaftlich als auch kulturell sicherlich noch ein Hoehepunkt zum Abschluss werden.

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veröffentlicht unter: Afrika 2011, Radtouren 2 Kommentare