Livingstone und Victoria Falls
19.07.2011, 12 Uhr
Hab die Nacht wieder in der Haengematte geschlafen. Erst furchtbar ungemuetlich und kalt, am Ende dann doch recht gemuetlich, nachdem ich den Dreh herausgefunden hatte. Nicht so schrecklich wie die erste Nacht in der Haengematte, doch wieder wach ich mit einem Brummschaedel auf. Hab den Uebeltaeter, wahrscheinlich auch von letztem. Mal in Tansania ausgemacht. Es war wohl nicht das Gemuese, sondern das Oel! Ist eh bald leer
Obwohl ich mich schwach fuehle laeuft das Rad perfekt. Rueckenwind, hab ich mir verdient!Ich bin in Mazabuka, der Zucker-Hauptstadt Sambias in einem kleinen Restaurant. Das Essen, Chips + Chicken + Salat - war in Ordnung, aber der Laden hier ist der bisherige Meister der Ineffizienz. Das Essen koennte die Haelfte kosten, wenn nicht immer 3-4 Leute dumm rumstehen und in die Luft starren wuerden. Wenn dann doch mal was zu tun ist, verlaeuft jede Bewegung in Zeitlupe ab. Die Uhren ticken anders in Afrika mag man meinen wenn man das nicht selbst sieht, aber ich sehe das als pure Unlust an. Hat mit Stress oder Relaxen nix zu tun. Eine baertige Frau mit tiefer Stimme sitzt auf ihrem Stuhl und nimmt die Bestellungen entgegen. Sonst nichts. Bei den 3 Gaesten ein Knochenjob. Pure Lebensfreude und Ausstrahlung in ihrem Gesicht.
20.07.2011, 10 Uhr
Seit langem mal wieder ein Tearoom. Das nutze ich natuerlich sofort aus. Eine bessere Erfindung fuer ein gute 2. Fruehstueck gibts nicht. Total verzuckerter Tee, genau was ich brauche.Heute bin ich genau 2 Monate unterwegs, fuehlt sich kurz an. 3000 km liegen hinter mir. Tolle Erfahrungen, nette Mensche, wunderschoene als auch langweilige Landschaften, einfache und schwere Fahrradetappen. Heute ists zur Halbzeit ein einfacher Tag. Ebene Strecke und wieder Rueckenwind machen die Fahrt einigermassen entspannt. Vor Lusaka gabs fast kaum Verkehr, hier ist das etwas anders, aber akzeptabel. Nichts im Vergleich zu Laendern wie Indien!! Auf der Strecke sehe ich zum ersten Mal so etwas wie Industrie und gross angelegte Agrarwirtschaft. Man sieht das auch an den zumindest etwas groesseren Ortschaften: Banken, grosse Supermaerkte, Geschaefte, Tankstellen, Poststellen und nette Haeuser. Alles recht zivilisiert.
23.07.2011, 16:30
Bin vor 2 Tagen schon in Livingstone angekommen, nachdem ich am 21. mehr als 170 kilometer zurueckgelegt habe. Dumm wenn man sich was in den Kopf setzt, kann man nicht davon lassen, auch wenn man krank ist... Hab seit Mazabuka nicht mehr richtig gegessen. Hab sogar mein Nsima stehen lassen
Jetzt bleib ich hier bis es wieder besser geht und renn paar mal am Tag aufs Klo. Bin in nem Backpacker Hostel mit Campsite. 5 Dollar und Free Coffee all Day. Muss mich also des Preises wegen nicht beschweren
Kann auch wichtige Dinge erledigen. Fahrrad auf Vordermann bringen, Waesche waschen, Internetkram erledigen, war beim Friseur und meine Vorraete auffrischen. War heute bei den Victoria Falls. Riesig! Und irgendwie surreal.Ich werd wenn ich hier weg bin ne ganze Zeit lang nicht mehr ins Netz koennen, also keine Sorgen machen, auch wenn ich mich 3 Wochen nicht melden kann ! Man kann mich aber bis ich aus Sambia raus bin (noch 4 oder 5 Tage) noch auf meiner Sambischen Handynummer anrufen wenn man das Beduerfnis verspuert. Gibt sicher Billigvorwahlen fuer alle Telekomkunden. 0026 974703097
Malawisee, Sambia, Safari
Wieder ein Mehrfacheintrag. Ich war seit meiner Abreise von der Mushroomfarm Lodge am 04.Juli nicht mehr im Internet, also gibts nun einiges zu lesen fuer euch
04.07.2011, 13:00
Endlich wieder auf der Strasse. Nach grossartigen 3 Wochen in der Mushroom Farm Lodge bin ich jetzt wieder mit dem Rad unterwegs. Es fuehlt sich etwas seltsam und ungewohnt an, die Abschiedsweine vom Vorabend machen sich bemerkbar, doch es laeuft. Der Weg von Manchewe bis Phwezi fuehrt ueber 55 Kilometer eine ungeteerte, ziemlich miese Strasse. Ich habe meinen ersten “Sturz” hinter mir, Vorderrad auf Kies blockieren sollte man besser unterlassen. Nix passiert ausser einem Kratzer.
Die Menschen sind erstaunlich. Sie leben relativ abgeschieden ein total einfaches Leben und strahlen so viel Freude aus. Das Gruessen nimmt kein Ende. Eine Banane kostet 2,4 Cent und ist extrem schmackhaft. Ein 50 MK (malawische Kwatscha) Schein (24 cent) bringt die Haendler ins schwitzen, da sie kein Wechselgeld auftreiben koennen. Das ist generell die Regel hier, was ich nicht so ganz verstehe, mich aber doch immer wieder amusiert. Ich sitze nun in Phwezi, habe mich gerade mit einer ordentlichen Portion Nsima (aufgequollenes Maismehl), doch nun wirds deutlich leichter auf geteerter Strasse. Weiter gehts.
05.07.2011, 8:30
Dinge aus dem Alltag eins Radfahrers in Afrika:
- “How far is it to < beliebigen Ort einsetzen >”
- “No, s'not far”
- “Thank you”
06.07.2011, 8:30
Gestern war ein anstrengender aber interessanter Tag. Wider Erwarten konnte ich am Abend zuvor den bisher besten Schlafplatz auf einem brachliegenden Feld 5 Kilometer vor Ekwendeni finden. Selbst morgens konnte ich in aller Ruhe meinen Tee kochen und darauf warten, bis mein Zelt getrocknet war. In Ekwendeni habe ich ein paar Dingen eingekauft, um mich Essenstechnisch etwas unabhaengiger zu machen. Am Police Post wurde ich angehalten und kontrolliert, passiert sonst nie, aber ausgerechnet heute ist der Malawische Praesident in Mzuzu zu Gast. Und siehe da, die Beamten werden fuendig, mein Visum ist vor einem Tag abgelaufen. Dummer Zahlendreher meinerseits, ich war mir sicher dass es bis heute (sechster) gueltig ist, aber das war falsch, tatsaechlich wars bereits am vierten abgelaufen. Nach etwas herumdiskutieren und einem Telefonat lassen sie mich weiter, mit der Bedingung, dass ich schleunigst im Immigration Office in Mzuzu aufschlagen soll. Da wollte ich eh hin, also kein Problem.
Auf dem Weg blaest mir starker Wind entgegen, ich komme kaum von der Stelle, dann eine Autoschlange und wieder Polizei: "You stop here!" Ich warte 2 Minuten, dann faehrt eine Autokolonne vorbei, biegt 10 Meter vor mir in die Mzuzu University ab. Mittendrin das Auto des Praesidenten mit heruntergelassenenScheiben. Im Auto sitzt er mit seiner Gattin. Sieht man auch nicht alle Tage. Die Studenten stehen singend und tanzend am Universitaetseingang.
Am Immigration Office angekommen verwickel ich den Beamtem in ein nettes Gespraech, bevor er ueberhaupt in den Reisepass hineinschauen kann. "Hello, how are you" - "Where are you from" - "I'm from Germany with the bicycle, going to Cape Town." Der Beamte ist begeistert. Ohne auf das Datum des Eingangsstempels zu schauen drueckt er mir den Stempel zur Visumsverlaengerung in den Pass, bemerkt dann: "Oh, your Visa expired yesterday... hmmm … Ok", gibt mir den Pass und laesst mich gehen. Schwein gehabt!
Kurz nach Mzuzu gehts bergab, ich treffe Franz und Barbara, die mit dem Rad von Durban (Suedafrika) nach Mombasa fahren und quatsche ein bisschen.
Heute fahre ich dann "nur" noch bis Nkatha Bay, wo ich vor gut 3 Wochen schon einmal war. Ab heute betrete ich Neuland!
09.07.2011, 20:30
4 Tage lang ging es entlang des Malawisees von Nkatha Bay bis Mua. Vier Tage zusammen mit Joshua, ebenfalls mit dem Fahrrad nach Cape Town unterwegs, gegen dauerhaft starken Gegenwind ankaempfen. Es war gut einen Mitleidenden an der Seite gehabt zu haben. Joshua hat vor mir auf der Mushroom Farm gearbeitet, ist dann fuer 3 Wochen in Mzuzu, Likomi Islands und Nkhata Bay gestrandet. Wie der Zufall es so wollte, hat er seine Weiterfahrt genau an dem Tag geplant, als ich ebenfalls in Nkhata Bay war. Er faehrt nun weiter ueber Blantyre nach Mosambik, waehrend mein Plan schon wieder am Umfallen ist. Also doch Zambia und Victoriafaelle statt ueber Mosambik nach Harare, Simbabwe. Aber davon mehr wenn der Plan fest steht. Erstmal gehts nun doch noch nach Cape Mclear, einem der schoensten Orte am Malawisee. Aber zurueck zu den 4 Tagen. Abgesehen von dauerhaft starkem Gegenwind gabs auch tolle Begegnungen mit netten Menschen, gute Schlafplaetze und einem Fastschlafplatz der Extraklasse. Waeren da nicht die Krokodile am Bua River. Tolle Gegend am Nkhota Khota Nationalpark entlang. Hier am suedlichen Teil des Sees gibt es wieder mehr Moslems als Christen, bisher war alles sehr christlich gepraegt.
Ich bin nun komplett auf Selbstversorger umgestiegen. So geniesse ich nun den Gang ueber die Maerkte der kleinen Ortschaften, die reichlich zu bieten haben: Gemuese, Obst, frischen Fisch, Erdnuesse. Und das meist zu Spottpreisen. 1 cent pro Banane geht in Ordnung wuerde ich sagen.
Vorgestern Nacht haben wir nach dem Ok des Ortschefs am Rand eines Fussballfeldes genaechtigt, was zur Folge hatte, dass wir unser Abendessen umringt von den Dorfkindern kochen mussten, die interessiert jede Bewegung verfolgten. Gestern Nacht haben wir uns das Fragen gespart. Grosser Fehler! Prompt wurden wir entdeckt. Der Property Manager wurde gerufen und wir mussten uns erklaeren. Nach einer langen Diskussion (alles habe ich nicht kapiert, zum Beispiel der Vergleich mit Osama Bin Laden ??) und etlichen Telefonaten (Buerokratie...) war alles geklaert – Haende geschuettelt – wir duerfen bleiben. Im Prinzip das Ganze nur weil die Bewohner Angst vor uns hatten. Im Lauf der Diskussion fielen legendaere Saetze die mir noch lange im Gedaechtnis bleiben werden:
"Did you hear that? We can NOT expect, that everyone in Europe is rich."
- sowie -
"If you write a book, please write in a more positive way about me"
Abgemacht: Elijah ist der grossartigste Mensch den ich kennengelernt habe !!!
Heute schlafen wir auf dem riesigen einer Secondary School in Mtakhataka. Diesmal selbstverstaendlich nach Absprache mit dem hiesigen Schulmanager. Super Platz mit Nachtwaechter, der uns den Platz fuer Zelt schoen fegt und einem Schueler, der in bestem Englisch nachfragt, ob wir Hilfe benoetigen. Die Angst des Managers, dass es kalt werden koennte, teilen wir nicht, wir schlafen gerne im Zelt, und brauchen die Turnhalle nicht.
Frisch gebadet – wir nutzten den Malawisee in Chipoka nochmals – schluepfe ich nun in den Schlafsack und sage Gute Nacht!
12.07.2011, 14:00
Wie schnell es doch gehen kann: Nun sitze im South Luangwa Nationalpark in Sambia auf einem 87er Landrover. SAFARI ! Kurzentschlossen bin ich von Cape Mclear mit Clare und Matt, zwei Australiern in meinem Alter mitgefahren. Das Fahrrad auf dem Dach des grossartigen Gefaehrts. Am 17. Juli muessen sie in Lusaka, der Hauptstadt Sambias sein, bis dahin fahre ich mit. Auf dem Weg dorthin heisst es Safari mit dem eigenen Auto, kochen am Fluss mit Aussicht auf Krokodile, Flusspferde und Antilopenherden. Bislang haben wir Loewen, Giraffen, Elefanten, Flusspferde, verschieden Antilopenarten, Warzenschweine, Geier, Hyaenen, Bueffel und Krokodile gesehen. Die Leoparde machen sich noch rar.
Eine tolle Erfahrung statt mit dem Fahrrad, Afrika aus der Perspektive der Allradmenschen zu betrachten. Abends wird lecker gekocht, kann man doch deutlich mehr gute Dinge transportieren als auf dem Rad. Auf laengere Sicht bevorzuge ich dennoch meinen Drahtesel, vor allem aber auch aufgrund der Kosten dieses Spritfressers.













































































































































































