Neues von der Front
Zur Zeit gibt es von mir nur spaerlich Berichte von mir, was einerseits an der schlechten Internetinfrastruktur liegt, als auch daran, dass es nicht viel zu Berichten gibt, da ich stationaer bin, und wenig Zeit und auch wenig Lust habe am Computer zu haengen.
Zusaetzlich ist der Strom begrenzt ist, da es hier nur Solarenergie gibt. Wenn die Sonne nicht scheint gibts einen Engpass.
Die Mushroom Farm Lodge ist ein grossartiger Platz. Relativ ruhig, abseits des Malawisees, aber nicht zu ruhig. Einige Backpacker finden den Weg herauf und geniessen den grossartigen Ausblick und die Wanderungen in der nahen Umgebung. (Manchewe Wasserfaelle, Livingstonia).
Ich erledige was auch immer zu tun ist. Huehner, Enten und Hunde fuettern, Gaeste bedienen, beim Kochen helfen. Wir haben eine grossartige Koechin, Efreeda, die hier schon seit 5 Jahren arbeitet. Zusaetzlich bin ich fuer den Papierkram und die Geldangelegenheiten zustaendig. Natuerlich noch jede Menge andere Dinge zwischendrin wie Bauarbeiten - ich baue eine Mauer oder installiere Lampen etc. Alles in allem bin ich recht gut beschaeftigt, das schwankt aber sehr, je nachdem wieviele Gaeste da sind. Manchmal gibt es nur ein bis zwei Gaeste, am Abend kommen 10 neue zur gleichen Zeit, aber normalerweise sinds immer so 4-8 Gaeste. Fuer die recht kleine und gemuetliche Lodge ist das Prima.
Es gibt 3 Zimmer, und 5 Zeltplaetze und 2 Zelte fuer Autodach-Camper. Das Essen ist fantastisch, ich kann sicherlich wieder das ein oder andere Kilogramm zulegen, bevor es mit meiner Reise weitergeht. Auch die Getraenke sind fuer mich umsonst. Alles in allem ein schoener Ort zum verweilen, es ist gut was zu tun zu haben, nebenbei lerne ich noch sehr viel was es bedeutet so einen Ort aufzubauen und nachhaltig zu gestalten, wie viel Arbeit man hat, und wie langsam alles laeuft.
Neben der Sonnenenergie gibt es eine Kompost-Toilette, jeden Tag frische Huehnereier, Kraeutergarten, gutes Trinkwasser von der nahen Quelle. Gekocht wird mit Feuer, auch das Wasser fuer die Dusche wird mit Feuerholz erwaermt.
Mir gehts gut.
Mushroom Farm
In Baelde kommt ein groesseres Update von mir, aber jetzt erstmal in Kuerze:
Ich bin tatsaechlich etwas haengengeblieben, 2 Tage war ich im Chitimba Camp, wo ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe, bin dann mit 2 Hollaenderinnen in die Berge gehiked. Oben sind wir in einer Backpackerslodge namens Mushroom Farm (http://themushroomfarmmalawi.com/) untergek0mmen. Die Lodge liegt 600m ueber dem Malawisee direkt auf den Felsen mit wundervollem Ausblick, tollem Klima und gutem Essen. Der Besitzer hat mir angeboten dort fuer ein paar Wochen zu arbeiten. Und ich hab mir gedacht, wieso nicht ? Ich hab Zeit genug, und die Reisekasse dankt es mir. Ich verdiene kein Geld, muss aber auch nichts ausgeben. Ich fange heute Abend an.
Die letzten Tage habe ich noch die Zeit am See genossen. Im paradiesischen Nkata Bay, wo die Malawische Backpacker Szene Party macht. Wunderschoen mit Felsenstrand, Tauchspots und tollen Bars und einer netten kleinen Stadt, die alles bietet was man so benoetigt.
Gruesse nach Deutschland.
Am Malawisee
Wieder ein Mehrfacheintrag von mir. Das Internet hier ist sehr teuer, aber auch gut. Aber wenn man nur den Computer benutzt, aber nicht ins Internet geht, ist es kostenlos. So kann ich alles schreiben und Bilder sortieren und kovertieren, und dann schnell ins Netz stellen. Sehr Praktisch.
Viel Spass beim Lesen und nicht vergessen zu kommentieren
Eintrag vom 01.06.11, 13:30
Von Iringa geht's nach Mbeya. Gleich nach fuenf Kilometern habe ich den ersten anderen Radreisenden getroffen. Hosun Lee aus Korea, der von Johannesberg nach Europa faehrt, was aber nur ein Teil seiner Reise ist, die nun schon 13 Monate und 23.000 Kilometer geht. Seine Webseite (koreanisch): www.bikem.co.kr (google-translate hilft). Selbstverstaendlich habe ich ihn eingeladen, wenn er nach Deutschland kommt. Dann duerfte ich schon wieder zurueck sein.
Eintrag vom 03.06.11, 13:30
Gestern war ein extrem beschissener Tag. Ich weiss nun auch, weshalb es kaum frisches Gemuese gibt. Es war wohl ein Fehler mir einen Salat zu machen, aber es war so verlockend. Die ganze Nacht lag ich mit Bauchkraempfen in der Haengematte. Am Morgen kontte ich nicht aufstehen, so bin ich erst um 13 Uhr ohne Gruehstueck losgefahren. Hab mir irgendwann ein Teller Pommes geben lassen, die Haelfte stehen lassen, auch keine Lust auf Abendessen. Und dann gabs auch keine Schlafplaetze weit und breit, ueberall Felder und Haeuser und Afrikaner, dabei braucht man gerade an so einem Tag seine Ruhe. Also doch noch ganze 60 Tageskilometer bis ich etwas gefunden habe. Kurz vor Makambaku im Gestruepp, aber ganz gut eigentlich. Die Nacht habe ich aber gut geschlafen und bin heute wieder recht fit. Ich scheine auch alle verlorenen Kilometer aufholen zu koennen. Obwohl ich es ueberhaupt nicht darauf anlege, habe ich bereits 100 Km bei 24 Km/h im Durschnitt bis zur Mittagspause. Rueckenwind sei dank, vor allem aber auch der Tatsache, dass es die letzten Tage fast nur bergauf ging, und ich jetzt die Fruechte der Arbeit ernten kann. Allerdings geht es jetzt so langsam ins Gebirge.
Die Mittagspause ist gut gewaehlt: Normal gibts nur labbrige und alte Pommes, doch heute kann der Afrikaner Englisch. Ich hab ihm gesagt ich will frische und knusprige. Nette Menschen mal wieder.
Eintrag vom 04.06.11, 22:30
Malawi! Ein neues Afrikanisches Land. Einige Dinge sind anders hier: Deutsche benoetigen kein Visum, bekommen einfach einen Stempel in den Pass. Warum Oessterreicher hingegen zahlen muessen erschliesst sich mir nicht ganz, aber mir solls recht sein.
Gestern bin ich noch 168 Kilometer weit gefahren, hab nen ganz guten Schlafplatz an einem Bach gehabt in dem ich richtig gruendlich waschen und mein Wasserfilter an Flusswasser ausprobieren konnte. Normal lass ich mir immer Wasser abfuellen, dass die Afrikaner in grossen Bottichen haben, welches sie trinken. Das lass ich dann auch durch den Filter laufen und so das Wasser ist super geniessbar.
Heute gings dann richtig in die Berge, erstmal nur bergan, bis kurz vor Mbeya, wo die Strasse nach Malawi abzweigt. Mbeya liegt schon auf 1600 Metern, aber dann gings nochmals gut ueber 500 Meter bergan. Aber von den Bergen bin ich doch etwas enttaeuscht. Wer einen schoenen Gebirgspass oder Aehnliches erwartet wird enttauescht, eigentlich sinds nur Huegel. Zwar hohe Huegel, aber Huegel. Ich hatte mir ja ueberlegt den Mount Rungwe zu besteigen, doch nachdem ich ihn gesehen habe, zumal noch in den Wolken, bin ich von dem Vorhaben abgekommen. Da muss ich echt auch mal wieder eine Lanze brechen fuer unsere wunderschoenen Alpen. Verglichen mit allen Gebirgen, in denen ich war – und das sind mittlerweile eine ganze Menge – sticht es deutlich heraus, vielleicht neben dem Himalaya, dass wegen seiner schieren Groesse eine Sonderkategorie einnimmt. Auch die Strasse bis zur Malawischen Grenze, eigentlich ueber 1500 Hoehenmeter bergab (der See liegt auf 500m) findet immer noch einen Huegel ueber den man fahren kann, bis man endlich unten ankommt. Dann nach Malawi, ging alles total easz. Aber eigentlich wollte ich mir kurz nach der Grenze einen geeigneten Schlafplatz suchen, doch hier gibt es keine 50 Meter ohne Menschen, ohne Huetten, eigentlich ein grosses Dorf ohne Ende. So musste ich gezwungenermassen im Dunkeln weiterfahren bis zur naechsten “Stadt”, Karonga, am Malawisee gelegen. Dort habe ich eine Lodge mit Campingmoeglichkeit gefunden. Fuers Zelt aufstellen zahle ich 500 Kowcha, umgerechnet etwa 2,60 Euro. Bin allerdings der einzige mit Zelt. Zum See ist nur eine Mauer, das Tor ist aber schon geschlossen,, hab den See also noch nicht aus der Naehe gesehen, werde morgen mal reinspringen! Jetzt ist hier noch Party, die Afrikaner tanzen ausgelassen, ich bin nach 187 Kilometern aber etwas muede und schaue nur zu. Leider gibt es hier nur Carlsberg Bier. Die Malawischen Frauen sind bislang nicht so mein Typ, etwas zu arg aufgemotzt, ob es hier auch eine 'alternative Szene' gibt ? Die Anmache “Do you pay me a beer” find ich auch nicht gerade so passend... Das ist so aehnlich wie die Standardbegruessung der Kinder wenn man vorbeifaehrt: “ You give me money?”. Sollte denen mal jemand abgewoehnen, ist wohl ein malawisches Problem, Norbert hatte mich schon darauf hingewiesen, dass das hier nervig werden koennte. In Tansania gabs das nur sehr vereinzelt. Aber sonst auch alle supernett hier und ich fuehle mich weiterhin sehr sicher.
Eintrag vom 05.06.11, 09 Uhr
Alles Gute zum Geburtstag meine liebe Schwester Yvonne!!
Eigentlich habe ich ja gestern einen Schlafplatz gesucht. Das war aber mehr Partylocation, an Schlaf war kaum zu denken. So habe ich noch mitten in der Nacht meine Sachen gepackt und bin weitergezogen. Einfach um die Ecke 300 Meter weiter direkt am See! Grossartiger Platz, wieso nicht gleich so ? 30 Minuten hat der Umzug gebraucht, alles ganz schnell. Der See ist riesig und superschoen. Natuerlich habe ich dort heute morgen die noetige Hygieneprozedur vollziehen koennen, neben den erstaunten Blicken der Waschweiber, von denen eine noch kam und Zahnpasta geschnorrt hat.
Meine Bankkarte (Visa) funktioniert hier auch wieder bei normalen ATM's, was in Tansania nicht der Fall war, dort ging es nur bei Barclay's ATM's, die aber in allen groesseren Staedten vorhanden waren (Tanga, Morogoro, Iringa). Hier sprechen die Menschen auch wieder Englisch. Und sie haben Hunde!
Gedanken ueber Afrika (1)
Ich habe auf dem Weg viele unterschiedliche Kirchenkonfessionen gesehen: Methodisten, Evangelikaner, Lutheraner, Baptisten, Katholiken, Roemisch-katholiken, Siebenten-Tags-Adventisten, Neuapostolische... Hab sicher einige vergessen.
Alle haben sie hier als Missionare ihr Unwesen getrieben, ich halte davon nicht sehr viel...
Eintrag vom 05.06.11, 0:20
Essen, insesondere Fruehstueck scheint nicht so das Ding fuer die Malawis zu sein, irgendwie gibts kaum Restaurants oder aehnliche Dinge. Also habe ich mir einfach Eier und Brot gekauft und Ruehrei gemacht, dazu Tee. Die Malawis haben gestaunt, wie schnell mein Benzinkocher ist. Einer wollte mit seinem Holzofen mit mir einen Wettbewerb machen wollen, aber als sein Ofen langsam heiss war, war ich fertig mit Essen. Auch zum Mittagessen war es schwierig was gutes zu finden. Ich bin dann in einer furchtbaren kleinen Huette gelandet, in der ein totes Schwein von der Decke hing. Davon wurde dann immer was abgeschnitten und das es schon fettige Schwein zusammen mit Kartoffeln im Fett fritiert. Das Ganze wurde dann in der einer Schuessel serviert, aus der jeder gegessen hat, die dann weitergegeben wurde. Aber waschen braucht man ja nicht !? Radtechnisch gings nicht so prickelnd voran, da ich staendig starken Gegewind hatte. Dafuer hatte ich zwei mal eine sehr nette Begleitung, mit denen ich ueber mehrere Kilometer hinweg sehr nette Gespraeche fuehren konnte.
Am Ende entschied ich mich noch eine Nacht am See zu bleiben, bevor die Strasse in die Berge abbiegt. So bin ich zu einem Campingplatz gelangt, absolut zufaellig, der von einem Hollaender gefuehrt wird und so voellig unafrikanisch ist. Lauter Backpacker hier, direkt am Strand, etwas gehobene Preise, aber OK. Ein Ort zum Haengenbleiben.
Gedanken ueber Afrika (2)
Wenn ich hier lang fahre finde ich es oft so schade, was aus dem gemacht wird, was vorhanden ist. Kaum etwas wird richtig gut gemacht, alles wird so gemacht, dass es eben so funktioniert, alles wirkt provisorisch. Das faengt bei den Behausungen an, ist aber generell mit allem so. Die deutsche Mentalitaet mit nichts zufrieden zu sein und deswegen Dinge perfektionieren zu wollen ist nicht die schlechteste.
Gedanken ueber Afrika (3)
Ich habe das Gefuehl, dass die Leute hier selten geniessen. Alles dreht sich um die Arbeit. Statt wie bei uns Arbeit und Leben etwas zu trennen. So sind die Straende nicht von Einheimischen bevoelkert, die Staedte und Doerfer immer 2 Kilometer vom See entfernt, wo es fruchtbar ist, also gut fuer die Arbeit, statt am Ufer mit schoener Uferpromenade oder Gruenen flecken, Parks, oder Aehnlichem. Sowas gibts hier nicht. Wenn Afrikaner an den Strand kommen, dass um Waesche zu waschen, die Kuehe zu traenken oder um den Westlern Dinge anzudrehen und ihnen dabei auf die Nerven zu gehen. Discos bilden eine Ausnahme.
Gedanken ueber Afrika (4)
Alles dreht sich um Geld, die Kultur des Gebens und Nehmens, Leute einladen, Dinge tun, ohne eine monetaere Gegenleistung zu verlangen oder zumindest zu erwarten ist hier nicht weit verbreitet. Schade eigentlich, aber auch irgendwie verstaendlich, leben doch die meisten von der Hand in den Mund. Aber ganz stimmt das auch nicht. Die Menschen hier sind schon auch sehr hilfsbereit. Aber das ist halt kein Vergleich mit der Gastfreundlichkeit, die uns in den islamischen Laendern entgegengebracht wurde.
Mbeya
Bin jetzt kurz vor Mbeya, da fahr ich aber nicht hin, da es hier nach Malawi abzweigt. Das Internet ist so scheisse, dass ich hier besser nichts mache … Ebenso die Tastatur! Ich haemmer dermassen auf die Tasten, damit was vernuenftiges bei rumkommt, dass ich hier auch keine langen Texte schreiben werde. Wahrscheinlich waere es sogar schneller, die 9km nach Mbeya hin und zurueck zu fahren, statt hier auf meine Mailabfrage zu warten!
Nur soweit: Mir gehts gut, 103km bis Malawi.













































































