This tablature has been made unavailable in your country at the request of the rights owner

Jeder Gitarrist kennt und liebt die Seite ultimate-guitar.com. Tausende (vermutlich eher Millionen) Tablaturen und Akkorde von allen möglichen Künstlern sind hier vertreten und für jeden frei abrufbar. Als Musikfan habe ich gegenüber den frühgeschichtlichen Vorinternet-Zeiten ungeahnte Möglichkeiten meine Lieblingslieder kennenzulernen und nachzuspielen. Nicht selten entdecke ich hierüber neue Musik kennen und lieben, freue mich auf Konzerte, um die Künstler in Aktion zu sehen und zu bewundern. Es ist ein Teil der Musikkultur für mich geworden. Man könnte meinen, jeder Künstler müsste sich über das Interesse und der Begeisterung an ihrer Musik freuen.

Doch soeben noch in meiner heilen Welt lebend, ereilte mich gerade ein tiefer Schock:

Dass es vor ein paar Jahren über Rechte an Songtexten und Tabs Diskussionen gab, habe ich mitbekommen, aber ich dachte die Musikindustrie hätte nach dem DRM-Disaster ein wenig dazugelernt.
Led Zeppelin’s deutsche Rechteinhaber lassen alle ihrer Tabs auf ultimate-guitar.com sperren. David Bowie, Mariah Carey, Jethro Tull, Eric Clapton, Leonard Cohen, Feeder, Billy Idol und die Raconteurs  werden auch geblockt.
Die geldgierige Musikindustrie will natürlich mit ihren Rechten Kohle machen, und da steht ultimate-guitar.com im Weg, niemand gibt mehr Geld für Notenbücher aus. Dass die Musikindustrie mit diesem archaischen Vorgehen allerdings ihre Fans verprellen und ihr eigenes Grab schaufelt, merken sie anscheinend nicht. Sind nicht genau diejenigen, welche die Musik lieben, auf Gitarre nachspielen, weiterleben und weitertragen, die selben, die auch die Platten  kaufen und auf Konzerte gehen, andere mit der Musik infizieren, die dann wiederum Platten kaufen und auf Konzerte gehen ? Mein Eindruck ist: Der Musikliebhaber wird verarscht, die Geldgeier haben obsiegt, die Musik hat verloren !

Dass UG.com vor der Musikindustrie einknickt und es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lässt, ist verständlich aber schade, allerdings könnte man sich mehr Informationen und vielleicht ein öffentliches Aufbäumen darüber wünschen. Ich habe nichts darüber gefunden, keine ofizielle Stellungnahme seitens UG.com.

Mit Proxy-Tools wie etwa Proximize.me kann man übrigens auf Umwegen auf  die gesperrten Tabs zugreifen.

Dass es auch anders geht zeigt zum Beispiel Götz Widmann, der Tabs und Lyrics auf seiner Homepage zur Verfügung stellt und sogar auf ein inofizielles Songbook verweist. Götz Widmann ist übrigens wieder auf Tour, und ich überlege mir sogar 2 Termine wahrzunehmen.

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Nach Hause

Ich bin gerade in Abu Dhabi, mein Flug nach Frankfurt startet in etwa einer Stunde.

Es kommt mir vor als waere es Gestern gewesen. Gerade bin ich in Mombasa gelandet, helfe einem anderen Deutschen das englischsprachige Einreiseformular auszufuellen. Dann wie ich mein Fahrrad unter neugierigen Blicken zusammenschraube. Meine ersten Schritte in Schwarzafrika.
In der Zwischenzeit habe ich so viel erlebt, so viele Eindruecke bekommen, tolle Menschen und schoene Landschaften gesehen. Und doch verging die Zeit wie im Flug.

Der Rueckflug laeuft wie am Schnuerchen, Etihad nimmt mein Fahrrad trotz Ueberepaeck ohne Zuzahlung an. Bald schon bin ich im Heimatland, werde es doch erst realisieren wenn ich ein paar Tage da bin. Schon jetzt vermisse ich das Reisen und die fremden Kulturen, gleichzeitig freue ich mich aber auch wieder auf Zuhause.

Bis bald!

Update (Dienstag, 06.09.): Bin wohlbehalten in Frankfurt angekommen. Morgen geht’s nach Konstanz.

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Kapstadt

Da bin ich nun also in Kapstadt! Mein Ziel ist erstmal erreicht, ich sitze am Atlantik. Wegen des schlechten Wetters  kann man den Tafelberg nicht sehen, nur hin und wieder schaut der Lion’s Head hervor. Der erste Eindruck von  Kapstadt ist prima. Wunderschön zwischen Berg und Meer gelegen ist es eine schöne, aber doch überschaubare Großstadt. Mehr als 2 Wochen bleiben mir hier um auf Entdeckungsreise zu gehen, ans Kap der Guten Hoffnung zu  radeln, auf den Tafelberg zu steigen und nochmals nach Paarl und ins Weinland zum wandern zu gehen.
Kapstadt hat etwa 3,5 Millionen Einwohner, wirkt aber auf den ersten Blick recht gemütlich und deutlich kleiner, was  wohl daran liegt, dass die meisten Einwohner in den vielen Vororten leben. Die meisten Schwarzen leben eher ärmlich in Vororten und  Townships (Khayelitsha, das Größte Township Kapstadts hat vermutlich mehr als 1,5 Millionen Einwohner), die Innenstadt ist so mehr oder weniger den Weißen und einem Teil der Farbigen vorenthalten.

Meine Aufregende Reise liegt nun hinter mir, doch die Eindrücke und Erlebnisse werden noch sehr lange in meinem Kopf  herumschwirren, bevor sie verarbeitet sein werden. All die positiven, wie auch die negativen Ereignisse werden mich  noch eine ganze Weile beschäftigen. Das Fotos durchgehen und sortieren wird mir dabei helfen, verschwindet doch sonst vieles doch so schnell wieder in den Tiefen der Gehirnwindungen.

Ein erstes Fazit will ich an diesem Punkt aber schon abgeben:

Über drei Monate mit dem Fahrrad quer durch Afrika. Erstaunlich gute Strassen machten das Radfahren an sich recht einfach. Wilde Tiere stellten kein Problem dar, auch wenn selbst die Einheimischen micht immer wieder fragten, ob ich denn keine  Angst vor Löwen oder dergleichen hätte. Die Frage ob es in der jeweiligen Gegend denn wilde Tiere gäbe wurde aber, mit Ausnahme um den Mikumi National Park in Tansania, stets verneint. Der Durchschnitts-Afrikaner kommt kaum 30 Kilometer über die Grenzen seines Dorfes hinaus, und erzählt nur Geschichten, hat aber selbst kaum eine Ahnung von seinem Kontinent. Tatsächlich habe ich am Strassenrand einen Elefanten, Giraffen, Zebras, Warzenschweine, verschiedene Antilopen und ähnliche Wildtiere gesehen, nichts gefährliches wie Löwen oder Leoparden. Nicht eine einzige lebende Schlange kam mir über den Weg. Die Malariagefahr ist zumindest in der Trockenzeit recht überschaubar. Ist man nicht gerade im Sumpfgebiet unterwegs, hat man zuhause am Bodensee deutlich mehr Moskitos als in den Teilen Afrikas, in denen ich unterwegs war. Meine Malariaprophylaxe habe ich nach 2 Monaten kurz nach Lusaka (Sambia) abgesetzt. Größere Probleme mit dem Rad blieben aus, Speichenbruch am Hinterrad (insgesamt 9 gebrochene Speichen) und ein am Ende seiner Lebenszeit stehendes Tretlager, sowie der Mangel an Bremspads für die Scheibenbremse bereiteten mir Kopfzerbrechen. Letzteres konnte ich lösen, da es in Windhoek den ersten modernen Fahrradladen meiner Reise gab, das Hinterrad und das Tretlager hielten glücklicherweise bis Kapstadt durch.
In großen Teilen der Reise war das Essen einfach und nicht besonders abwechslungsreich, dafür aber günstig, und wie auch das Wasser stets reichlich vorhanden. Auf der gesamten Tour habe ich nur einmal für Wasser Geld gezahlt – der Plastikflaschen wegen. Die Qualität der vielen Pumpbrunnen war vor allem in Malawi und Sambia hervorragend. War in Kenia und Tansania das Essen meist “deep fried” (fritiert), gab es in Malawi und Sambia mehr frisches oder gekochtes Gemüse. Nsima, bzw. Ugali, ein Maismehlbrei ist das Hauptnahrungsmittel der Einheimischen in diesen Ländern. In Namibia und Südafrika wird es hingegen relativ westlich und fleischbetont. In großen Supermärkten wird die ganze Palette angeboten, während in den Ländern zuvor nur kleine Shops und Marktstände die Lebensmittel anbieten, und die Auswahl klein ist.
Viele nette und hilfsbereite Menschen habe ich getroffen. Boshaftigkeit, Kriminalität oder Gewalt dagegen waren äußerst selten. Zu keiner Zeit habe ich mich persönlich gefährdet, fast immer im Gegenteil, sehr sicher gefühlt. Doch die grandiose Gastfreundlichkeit der Länder im nahen Osten war leider nicht vorhanden. Fast immer wird eine Gegenleistung erwartet, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Wurde ich angesprochen, wollte der Gesprächspartner am Ende nicht selten (sagen wir meistens) Geld von mir. Das finde ich insofern sehr schade, da ich viele Gespräche oder Hilfen von vornherein ablehnte, dadurch allerdings garantiert so manche positive Überraschung verpasste.
Die Eindrücke der Reise waren nicht nur schön, auch Schwierigkeiten und negative Erlebnisse sowie  Probleme und die große Armut in Afrika konnte ich sehen.
Allgegenwärtig sind die Folgen der Kolonisation und Missonierung zu sehen, welche zwar die Zivilisation, damit aber auch viele, den Menschen bis daher unbekannte Probleme brachten. Die ursprüngliche Kultur geht mehr und mehr verloren und mit ihr die Identität der Menschen. Denn in der neuen zivilisierten Welt finden sich die meisten nicht zurecht. Die Mentalität der Menschen passt nicht mit den aufgedrückten Wertevorstellungen überein. Überall konnte ich sehen, wie Dinge nur zum gerade so Funktionieren gemacht wurden, statt diese gut oder schön zu machen. Statt die schäbigen Behausungen, die ekelhaften Toiletten oder die nicht funktionierenden Stromleitungen zu reparieren, verbessern oder verschönern, ist die arbeitsfreie Zeit häufig von Antriebslosigkeit, Langeweile und Alkoholkonsum geprägt. Aktivitäten, die nur zum Genießen ausgeübt werden, sowie Hobbys sind weitgehend unbekannt. Anstöße zu Verbesserungen müssen fast immer von Außen kommen, diese werden allerdings häufig mit großer Begeisterung von den Einheimischen ausgeführt – zumindest so lange der Anstoß anhält.
Das Schulsystem in den meisten Ländern klingt erstmal nicht schlecht: Primärschulen waren immer kostenlos, Sekundärschulen häufig ebenfalls. Viele Privatschulen verbessern das Lehrangebot für die Reicheren. Bei näherer Betrachtung sieht man allerdings auch hier Defizite: schlechte Lehrpläne, den Fokus auf auswendig erlerntes Wissen statt Verständnis. Da Schulen häufig zwar kostenlos, der Schulbesuch aber keine Pflicht ist, oder die Pflicht nicht kontrolliert wird, schicken viele vor allem ärmere Familien ihre Kinder nicht in die Schule oder unterstützen sie nicht. Da die Familien sehr kinderreich sind bleibt für das einzelne Kind nicht viel vom Kuchen übrig. Die Folge ist eine immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Am besten konnte ich das in Südafrika sehen, wo die kinderarmen Reichen (meist Weiße) mit guter Bildung deutlich besser dastehen als die Armen (meist Schwarze), was man ihnen nicht vorwerden kann.
Viele Probleme sind hausgemacht, kulturell bedingt aber schwer zu verändern.
Je abgeschiedener die Dörfer waren, umso weniger Probleme und umso mehr Zufriedenheit konnte ich finden. So strahlten die Menschen im kleinen Malawi trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer einfachen Lebensweise eine viel größere Zufriedenheit aus, als die Menschen in touristisch oder wirtschaftlich entwickelteren Ländern wie Tansania oder Kenia. In Namibia und Südafrika ist die Unzufriedenheit angesichts der Unterschiede zwischen Arm und Reich nochmals deutlich größer. Doch von den Armen kommt auch nicht viel Eigeninitiative, um die Situation zu verändern.
Landschaftlich gesehen waren die durchfahrenen Gegenden recht schön, aber doch ein wenig abwechslungsarm. Tansania war meist hügelig oder flach, Sambia und Namibia mit sehr kurzen, hügeligen Ausnahmen über hunderte Kilometer topfeben. Landschaftliche Höhepunkte gab es für mich in Malawi mit dem Malawisee und den Rändern des Ostafrikanischen Grabenbruchs, als auch in den eindrucksvollen Bergen Südafrikas.
Insgesamt eine sich überaus lohnende und belehrende Reise, wenn auch nicht eine nur zum Genießen. Von allen Ländern hat mich Malawi landschaftlich als auch kulturell am meisten positiv überrascht. Viele Erlebnisse und Eindrücke, sowie jede Menge Begegnungen werden für immer im Gedächtnis bleiben.

Danke an Alle, die meinen Blog verfolgt haben.
Ich möchte wenn ich zurück bin für alle interessierten im Rahmen einer kleinen Wieder-Zurück-Party einen kleinen Diavortrag vorbereiten :)

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Suedafrika

Huhu… mich gibt’s noch, hab mich zwar eine ganze Weile nicht mehr gemeldet, aber mir geht’s nach wie vor prima. Es wird einwandfrei fuer mich gesorgt :)

Langer Text, der wartet kommentiert zu werden :p

 

 

05.08.2011, 20:00

4 Tage bin ich nun seit Windhoek unterwegs. Am ersten Tag bin ich erst spaet los, ueber ein paar easy Berge , danach alles flach bis Rehoboth gefahren. Rehoboth ist ein krasser Kontrast zu Windhoek. Blechhuetten und dreckige Strassen, der Platz vor dem Supermarkt ist bevoelkert von Bettlern. Ein erster Eindruck der Ungleichheit im Land. Die hohe Arbeitslosigkeit ist spuerbar. Ich fahre lieber noch weiter, campe etwas mehr als 10 Kilometer nach der Stadt an einem kleinen Weg der seitlich von der Strasse abzweigt. Ein schwarzer (ab sofort schreibe ich die Hautfarben schwarz, weiss und farbig dazu, weil man sonst ja nicht weiss um was es sich handelt) Mann mit Pferd kommt vorbei und fragt nach dem Weg und nach Wasser. Ich kann ihm beides geben.
Die naechsten 2 Tage sind gepraegt vonebener Strecke und Rueckenwind. Neben dem Ort Mariental gibts nicht viel, ausser der Geisterstadt Asab und wieder einem traurigen Oertchens namens Tses. Kinder betteln mich an und schauen mir beim Mittagessen zu. Ich fuehle mich schlecht dabei, lasse die Tafel Schokolade lieber verschlossen in der Tuete, geniessen kann ich sie so sicherlich nicht. Ab Tses dreht der Wind auf West, so komme ich nur noch deutlich verlangsamt voran, schaffe aber dennoch genau die 200 Tageskilometer bis zum Schlafplatz unter freiem Himmel. Die Zeltheringe wollen nicht so recht in den Boden und Westwind ist warm, also warum nicht ohne Zelt. Wieder kommt einer vorbei. Seltsam, dass in dieser Einoede Menschen sind. Ich teile mein Abendessen und mache Tee fuer uns beide, bevor er sich in sein Dorf verabschiedet. Freude :) In der Nacht dreht der Wind auf Sued. Eiseskaelte. Und was viel schlimmer ist, Gegenwind am Tag drauf. Ich fahre im Schneckentempo nur bis Keetmanshoop. In dieser elendig oeden und langweiligen Landschaft ohne kulturelle Anreize brauche ich den Rueckenwind wohl, um nicht mental zum Wrack zu werden. In Keetmanshoop werden die Unterschiede zwischen Arm und Reich ersichtlich. Linker Hand die Wellblechhuetten, rechter Hand schoene Haeuser, Kirchen, Supermaerkte, Banken. Kein kultureller Hoehepunkt meiner Reise. Zum Glueck konnte ich den plumpen Versuch von 2 Jungs, meine Kamera zu stehlen abwenden, sonst waere meine Moral wohl komplett den Bach herunter. Einer: “Hey, schau ma was ich fuer tolle Musik hab”, steckt mir Kopfhoerer ins Ohr, der andere greift derweil von der Seite nach meiner Kamera. Glueck gehabt. Aber ist ein Warnschuss fuer mich, muss wohl mehr aufpassen. Ich hasse es misstrauisch zu sein Ich fahre ein bisschen aus der Stadt, will auf einem Campsite naechtigen, doch 140 N$ (14Euro) ist zuviel, ich radle weiter. 2 Kilometer weiter frage ich (weisse) auf einer kleinen Farm ob ich mein Zelt aufschlagen darf. Natuerlich! Kostenlos. Inklusiv Bad – das Wasser dreht sich uebrigens gegen den Uhrzeigersinn im Ablauf. Wollt ich schon immer mal wissen, ob es wahr ist, dass es auf der Suedhalbkugel andersrum ist, also bitte ma testen und kommentieren – Morgen gibts Fruehstueck serviert. Alles wieder gut. Wie schnell sich alles aendern kann.

 

Radfahrtechnische Gedanken:

Liebe LKW: Es freut mich, dass ihr euch freut, wenn ihr mich seht und mich deshalb freudig anhupt… Ich freue mich allerdings NICHT! Ihr seid vielmehr meine Feinde. Ihr seid laut, stinkt, und wenn ihr mir entgegenkommt beschehrt ihr mir Gegenwind. Wenn ihr dann genau neben mir hupt, damit mir mein Trommelfell fast platzt, kann ich mich nicht wirklich darueber freuen. Ich gruesse dann auch unter Garantie NICHT (!) zurueck. Basta! Nehmt’s mir nicht uebel. Danke.

 

Aus dem Regelwerk fuer Radreisende:

Glaube niemals jemanden, der behauptet, es ginge nur noch bergab ! Es wird nicht stimmen.

 

12.08.2011, 8 Uhr

Ich bin ein klein wenig faul geworden mit den Eintraegen. Eine ganze Woche habe ich nichts geschrieben. Anfangs hatte ich mehr kurze Pausen genutzt, in der Teestube einige Saetze geschrieben. Doch hier gibt es sowas nicht. Ueberhaupt mach ich kaum kurze Pausen mehr, ist auch schwierig wenn man nur 1 oder 2 Orte am Tag passiert. Das aendert sich nun jedoch so langsam, das wenig bevoelkerte Gebiet liegt nun hinter mir.
In den 7 Tage von Keetmanshoop bin ich weit gekommen. Zuerst war der Wind immernoch das beherrschende Thema. Ein weiterer Tag mit Rueckwind und ueber 190 Kilometer. Abends machen mir die Zaeune zu schaffen. Ich ignoriere diese und klettere mitsamt Fahrrad und Gepaeck drueber.
Die zweite Nacht habe ich es bis zur Grenze geschafft, davor mein Zelt in der Orange River Lodge aufgestellt. Am naechsten Tag durch die Suedafrikanische Buerokratie. 6 Stationen bis ich die Grenze letztendlich passieren durfte.: Police Control, Immigration Office, Customs Office, nochn komisches Office, Customs Control und der abschliessende Police Control, der dann auf meinem Laufzettel kontrolliert ob ich alle Stationen ordnungsgemaess durchlaufen habe.
Dann geht’s den Berg hinauf. Erst schoen durch ein Tal, doch schon bald ueber viele Kilometer flaaaaaaaaach und geeeeraaaaaaade bergan. Ich fahre und fahre, doch es nimmt kein Ende. Ich kaempfe mit den Schmeissfliegen und meinem Willen weiterzutreten. Aetzendes Teilstueck. Nach knapp 40 Kilometer bergan geht es 10 Km bergab, damit es dann wieder 10 Kilometer bergauf gehen kann. Das Ganze wiederholt sich so immer weiter bis heute. Bergauf – Bergab – Bergauf – Bergab. Die Strasse dabei meist aetzend gerade, kaum Kurven, das Terrain wird einfach ignoriert. Haesslich fuer Radfahrer und extrem psychisch fordernd fuer mich. Zum Glueck aendert sich die Landschaft wenigstens etwas. Es wird bergiger und gruen. Ueberall toll farbige Blueten. Abends finde ich meist ganz gute Schlafplaetze. Einmal fahre ich zu einem Haus in einem wunderschoenen Seitental um zu fragen, ob ich mein Zelt aufstellen kann. Aber es ist keiner da. Es ist schon spaet, also stell ich mein Zelt einfach so am kleinen Bach aufgestellt. Am naechsten Tag steht eine Thermoskanne mit Kaffee und eine Box mit Brot+Ei und Orangen vor dem Zelt. Willkommen in Suedafrika :)
In Vanrhynsdal (gestern) gehe ich ins Touristeninformationsbuero, bekomme Karten und eine persoenliche Fuehrung nur fuer mich durchs kleine Museum. Dann geht’s mit starkem Sued- (Gegen)wind weiter. Hohe Schleierwolken kuendigen schlechtes Wetter an. Am Abend biege ich von der Hauptstrasse (N7) ab, die so langsam etwas nervig wird. Zum einen weil sich noch immer jegliches Terrain ignoriert, weshalb es staendig bergauf – bergab geht, zum anderen weil der Region bewohnter wind und der Verkehr doch recht deutlich zunimmt. Die alte Strasse entlang des Olifant Rivers ist ungeteert aber ganz ordentlich befahrbar. Kaum Verkehr, wunderschoen im Tal gelegen, links die Berge. Als es dunkel wird, frage auf einer Farm (weisse) ob ich mein Zelt aufschlagen kann. “We will make a plan for you.” – Dusche, Abendessen, Gaestezimmer mit richtigem Bett (das erste eigene Bett seit Tansania), Fruehstueck, etc. Gastfreundschaft als westliche Selbstverstaendlichkeit: “Our Pleasure”.
Und heute tatsaechlich. Das angekuendigte schlechte Wetter ist da. “If you feel like it, we are happy if you stay one more, you can relax a bit here.”
(Etwa 35 Km vor Clanwilliam)

16.08.2011, 8 Uhr

Ich nutze den schlechten Tag zum ausruhen und Speichen vom Hinterrad ersetzen, bevor es ueber schlechte Piste ueber die Berge geht, sollte mein Fahrrad Tip-Top sein. Es ist mein erster Radfreier Tag seit Windhoek. Ich habe mich schon so ans taegliche Fahren gewoehnt, dass ich die Pause eigentlich gar nicht unbedingt noetig hatte.
Am Tag drauf (13.08.) geht’s erst noch ein Stueck entlang des Olifant Rivers, bevor es Richtung Berge (Ceder Mountains) abbiegt. Der Ort dort heisst Algeria, ist aber nicht mehr als eine Ansammlung Ferienhaeuser und einem Campingplatz. Ich moechte auf dem Campingplatz naechtigen, werde aber kurz davor von einer Gruppe (5) junger Leute (weisse) angesprochen und in ihr fuers Wochenende gemietete Ferienhaus eingeladen. Es gibt genug freie Betten und Essen. Also erneut im warmen Bett schlafen. Man koennte sich schon wieder so langsam daran gewoehnen. Eine Decke ist doch etwas angenehmer als immer im Schlafsack zu schlafen. Und die richtige Matratze fuehlt sich schon gut an… Es gibt lecker Abendessen, Nachtspaziergang und jede Menge Wein. Am tag drauf (14.08.) geht’s weiter. Uber einen von Norden her eindrucksvollen Pass in eine Art Hochtal, das sich ganz schoen lange hinzieht, alles in wundervoller Bergkulisse. Tolle Gegend. Da ist er, der erste angekuendigte landschaftliche Hoehepunkt Suedafrika. Heute, Sonntag auf Montag bei kaltem Wetter sind kaum Ausfluegler in dieser Gegend, so dass die Campsites alle leer sind, was sie fuer mich unnoetig machen. Auch wenn 35 Rand nicht viel Geld ist (3,50 Euro) ziehe ich es deshalb vor, noch weiterzufahren. Allein sein kann ich auch fuer lau. Ich finde einen tollen Platz im grandiosen Tal, eingerahmt von hohen Felsen, ein kleiner Bach mit kaltem, klarem Wasser vor der Haustuere. Der Weg von der Strasse ab in dieses Tal ist zwar nur fuer authorisierte Personen gedacht, aber das juckt mich reichlich wenig, schliesslich habe ich weisse Haut. Das Ergebnis: Kein Mensch da, grossartiger Platz, kleines Lagerfeuer vorm Zelt, das mich ausreichend waermt.
Am naechsten morgen (15.08.) ist es bitterkalt. Bis die Sonne ueber die Berge kommt bin ich schon eine ganze Weile auf dem Rad. Ich wuerde ja gerne schlafen, bis es etwas warm ist, ich haette theoretisch ja jede Menge Zeit, aber die Naechte sind so schon viel zu lange, und nachdem ich mein Buch (“Shaka Zulu”) ausgelesen habe, ist im Zelt nicht mehr viel zu Tun. Zum Fruestueck geht’s einen ordentlichen Pass hoch, damit es oben im naechsten Hochtal wieder flach weitergeht. Ich warte noch immer auf eine tolle Passabfahrt. Eigentlich gab es sowas die ganze Reise ueber nicht. Nach etwa 70 Kilometern flach ist es dann endlich soweit. Nach Ceres geht’s auf wunderbar geteerter Strasse mit grandioser Aussicht flott ins Tal hinab. In Ceres merke ich aber, dass mein anvisiertes Ziel fuer den Tag, Paarl, nicht mehr zu schaffen ist. Knappe 100 Kilometer stehen schon auf dem Tach, 70 Kilometer waeren es noch. So gehe ich schnell einkaufen, werde aber bald einem dicken farbigen (nicht schwarz!) angesprochen, ein Lokalpolitiker wie sich herausstellt. Er redet viel, ist aber supernett und begeistert von meiner Reise. Am Ende kann er mir ein Bett fuer die Nacht organisieren. Er selbst wohnt nicht in Ceres, er leitet mich aber an eine Politiker- Kollegin weiter, bei der ich schlafen kann. Die Leute sind superfreundlich, die Tochter zieht nur wegen mir aus ihrem Zimmer aus, aber irgendwie ist es auch seltsam. Dieses westlich Zuvorkommende gibt es nicht so. Es wird versucht es mir ueberaus recht zu machen, manchmal etwas uebers Ziel hinaus, und ohne mich zu fragen was ich denn mag. Nebenbei sind die Leute intressiert an meiner Reise, aber ich habe das Gefuehl sie trauen sich nicht richtig mich danach zu fragen, oder mich irgendwas zu fragen. Der Umgang scheint ungewohnt. Aber wie gesagt sehr nett. Als  Politikerin hat die Frau ein schoenes, recht grosses Haus, die Einrichtung will westlich sein, aber die Aufteilung ist aeusserst komisch. Wieder sehe ich ueberall dieses afrikanische Problem. Hauptsache die Dinge funktionieren, schoen oder richtig gut muss es nicht sein. Teppich ueber die kaputten fliessen, und haessliche Tiefkuehltruhe zwischen die Kuechenzeile gepfercht, auf der 4 Kaffeemaschinen stehen. Doch es wird nur Instantkaffee gemacht.

 

16.08.2011, 22 Uhr

Bin heute von Ceres (nur) etwa 75 Kilometer ueber den wunderschoenen Bains Kloof Pass bis Paarl gefahren. Das war vielleicht die schoenste Strasse der ganzen bisherigen Tour. Grossartige Gegend, kleine, kaum befahrene Strassen, entlang eines rauschenden Baches ueber wunderschoene Berge.
In Sambia habe ich die Bekanntschaft netter Suedafrikaner (weisser) gemacht,  die mich in ihr Haus nach Paarl eingeladen haben. Angekuendigt hatte ich meinen Besuch schon per Email, hatte aber seither kein Internet mehr um zu pruefen ob das in Ordnung geht. Anhand der Adresse auf der Visitenkarte finde ich das Haus, und druecke die Klingel. “Rouven, is it you?”. Und schon bin ich im Haus. Richtig liebe Leute, wieder ein Bett fuer 2 Naechte. Morgen wandere ich mit der Tochter direkt in die Berge ueber Paarl und mache einen kleinen Ausflug ins Studentenstaedtchen Stellenbosch.
Mir geht’s weiterhin prima. So gut wie in Cape Town.

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Namibia

Eintrag 27.07.11, 12:30

Ich sitze auf einem Rastplatz auf einer Steinbank an einem Tisch und esse Salami- und Kaesebroetchen zu Mittag. Als Nachtisch Schokolade. Neues Land, neues Glueck. Deutschland Sued-West, wie die Kolonialmenschen zu sagen pflegten, oder heute besser Namibia ist sicher deutlich anders als man sich Afrika so vorstellt, und sehr viel anders als was ich bisher erlebt habe. Ziemlich gut entwickelt und westlich gepraegt, grosse Supermaerkte, “gutes Essen”. Zumindest in den Staedten ist das so. Ganz im Gegensatz zu den letzten 200 Kilometern in Sambia, wo sich mir Afrika nochmal sein unterentwickeltes Gesicht zeigen konnte: Lehmhuetten  mit Strohdaechern, netten Menschen ohne Englischkenntnisse, denen es sogar schwer ist begreiflich zu machen, dass ich Wasser brauche. Wasserstellen gibts nur alle 50 Kilometer, 5km auf sandigem Pfad von der Strasse entfernt. Ein Glueck muss ich dort hin nicht hin. Der nette Herr fuellt meine Flaschen aus seinem Wasserbottich. Klares Trinkwasser. Wie ueberall in Sambia Trinkwasserqualitaet. In Namibia wird jetzt Wasser ein interessantes Thema fuer mich werden. In einem der trockensten Laender der Erde heisst es die Flaschen immer gut gefuellt zu halten.

 

30.07.2011, 14:00

Wow! Kaum passiere ich die Grenze, bin ich schon kurz vor der Hauptstadt Windhoek. Morgen frueh werde ich dort ankommen. Wieder ein perfektes Beispiel wie sich meine Plaene vom einen auf den naechsten Moment aendern koennen. Also doch nicht nach Botswana: Am 2. Tag Namibia haben mich Silvia aus Deutschland und Kirsten aus Daenemark, die ich zuvor in Livingstone getroffen habe mit ihrem VW-Bus ueberholt. Wasserflaschen aufgefuellt, dann kurzerhand das Angebot angenommen bis zur Abzweigung nach Botswana mitzufahren. Getreu dem Motto: Lieber mehr Zeit in schoener Gegend verbringen. Hier ist es furchtbar eintoenig. Ueber hunderte Kilometer ebene Strecke, keine Aenderung der Vegetation. So gut wie keine Menschen auf der Strecke die fuer etwas Abwechslung sorgen koennten. Langeweile fuer einen Landschaftsgeniesser wie mich. Die Aussicht auf die naechsten ebenen 1000 Km durch Botswana machen mir die Entscheidung weiter mit den Maedels mitzufahren leicht. Wir uebernachten in einem netten Campsite, dann gehts weiter. In Otjiwarongo trennen sich unsere Wege, ich fahre nach Sueden, die Beiden nach Swakopmund im Osten. Noch schnell im Superdupermegaspar alles was das westliche Herz begehrt eingekauft: Wurst, Kaese, Koernerbrot, Gummibaerchen, Schokolade. Und das zu erschwinglichen (europaeischen) Preisen. Namibia ist ein modernes Land. Das liegt selbsdtverstaendlich auch an der Kolonialgeschichte. Ueberall deutsche Namen. Aber die Unterschiede sind riesig. Namibia liegt bei nem Index der die Schere zwischen Arm und Reich berechnet auf Platz 1 in der Welt. Aber auch viele Schwarze profitieren. Die Leute sitzen im Park und geniessen die freie Zeit. Ein ganz neues Afrikaerlebnis fuer mich. Fahrradtechnisch laeufts ganz gut. Nordostwind hilft, die Strecke ist weiterhin topfeben, allerdings gibts rechts und links wenigstens hin und wieder Berge an denen ich mich orientieren kann, so dass ich nicht nur tatsaechlich vorankommen, sondern auch das Gefuehl dafuer habe. Nach Windhoek solls aber etwas bergiger werden und noch trockener. Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist enorm. Tagsueber angenehme 25 Grad, nachts gefrieren meine Wasserflaschen komplett durch. Ich schaetzxe -5 Grad. Also tief in den Schlafsack gekuschelt!
Etwas schade finde ich hier, dass die Strasse hier ueber hunderte Kilometere gesaeumt ist von Zaeunen. Alles Privatbesitz, Rinderzuchtfarmen. So ists recht schwierig einen guten Schlafplatz zu finden. Aber irgendwie gehts dann doch immer. Bin ein paar Kilometer in eine der ungeteerten Nebenstrassen gefahren, wo so gut wie kein Verkehr ist, und hab mich dor an die Seite gestellt. Das war eigentlich ganz gut. Wuerde gerne einfach bei den Farmen fragen, aber die dick verschlossenen Tore reden leider nicht mit mir :(

 

02.08.2011, 11Uhr

Bin nun seit 2 Tagen in Windhoek, fahre aber heute noch weiter nach Sueden. Hab gestern die noetigen Dinge erledigt. Ich habe sogar neue Bremsbloecke fuer meine Scheibenbremse im modernen Radladen (Cycletech in Klein-Windhoek) gefunden und gleich eingebaut. Endlich wieder eine Vorderbremse :-D
Windhoek ist eine moderne Stadt, koennte so auch in Europa sein, waeren da nicht so viele Schwarze.
Hab meinen Rueckflug gebucht. Kapstadt nach Frankfurt am 05.September mit Etihad. Freue mich drauf, aber mindestens genau so freue ich mich auf die weitere Reise. Suedafrika wird landschaftlich als auch kulturell sicherlich noch ein Hoehepunkt zum Abschluss werden.

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Livingstone und Victoria Falls

19.07.2011, 12 Uhr
Hab die Nacht wieder in der Haengematte geschlafen. Erst furchtbar ungemuetlich und kalt, am Ende dann doch recht gemuetlich, nachdem ich den Dreh herausgefunden hatte. Nicht so schrecklich wie die erste Nacht in der Haengematte, doch wieder wach ich mit einem Brummschaedel auf. Hab den Uebeltaeter, wahrscheinlich auch von letztem. Mal in Tansania ausgemacht. Es war wohl nicht das Gemuese, sondern das Oel! Ist eh bald leer ;) Obwohl ich mich schwach fuehle laeuft das Rad perfekt. Rueckenwind, hab ich mir verdient!Ich bin in Mazabuka, der Zucker-Hauptstadt Sambias in einem kleinen Restaurant. Das Essen, Chips + Chicken + Salat – war in Ordnung, aber der Laden hier ist der bisherige Meister der Ineffizienz. Das Essen koennte die Haelfte kosten, wenn nicht immer 3-4 Leute dumm rumstehen und in die Luft starren wuerden. Wenn dann doch mal was zu tun ist, verlaeuft jede Bewegung in Zeitlupe ab. Die Uhren ticken anders in Afrika mag man meinen wenn man das nicht selbst sieht, aber ich sehe das als pure Unlust an. Hat mit Stress oder Relaxen nix zu tun. Eine baertige Frau mit tiefer Stimme sitzt auf ihrem Stuhl und nimmt die Bestellungen entgegen. Sonst nichts. Bei den 3 Gaesten ein Knochenjob. Pure Lebensfreude und Ausstrahlung in ihrem Gesicht.
20.07.2011, 10 Uhr
Seit langem mal wieder ein Tearoom. Das nutze ich natuerlich sofort aus. Eine bessere Erfindung fuer ein gute 2. Fruehstueck gibts nicht. Total verzuckerter Tee, genau was ich brauche.Heute bin ich genau 2 Monate unterwegs, fuehlt sich kurz an. 3000 km liegen hinter mir. Tolle Erfahrungen, nette Mensche, wunderschoene als auch langweilige Landschaften, einfache und schwere Fahrradetappen. Heute ists zur Halbzeit ein einfacher Tag. Ebene Strecke und wieder Rueckenwind machen die Fahrt einigermassen entspannt. Vor Lusaka gabs fast kaum Verkehr, hier ist das etwas anders, aber akzeptabel. Nichts im Vergleich zu Laendern wie Indien!! Auf der Strecke sehe ich zum ersten Mal so etwas wie Industrie und gross angelegte Agrarwirtschaft. Man sieht das auch an den zumindest etwas groesseren Ortschaften: Banken, grosse Supermaerkte, Geschaefte, Tankstellen, Poststellen und nette Haeuser. Alles recht zivilisiert.
23.07.2011, 16:30
Bin vor 2 Tagen schon in Livingstone angekommen, nachdem ich am 21. mehr als 170 kilometer zurueckgelegt habe. Dumm wenn man sich was in den Kopf setzt, kann man nicht davon lassen, auch wenn man krank ist… Hab seit Mazabuka nicht mehr richtig gegessen. Hab sogar mein Nsima stehen lassen :-( Jetzt bleib ich hier bis es wieder besser geht und renn paar mal am Tag aufs Klo. Bin in nem Backpacker Hostel mit Campsite. 5 Dollar und Free Coffee all Day. Muss mich also des Preises wegen nicht beschweren ;) Kann auch wichtige Dinge erledigen. Fahrrad auf Vordermann bringen, Waesche waschen, Internetkram erledigen, war beim Friseur und meine Vorraete auffrischen. War heute bei den Victoria Falls. Riesig! Und irgendwie surreal.Ich werd wenn ich hier weg bin ne ganze Zeit lang nicht mehr ins Netz koennen, also keine Sorgen machen, auch wenn ich mich 3 Wochen nicht melden kann ! Man kann mich aber bis ich aus Sambia raus bin (noch 4 oder 5 Tage) noch auf meiner Sambischen Handynummer anrufen wenn man das Beduerfnis verspuert. Gibt sicher Billigvorwahlen fuer alle Telekomkunden. 0026 974703097

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Malawisee, Sambia, Safari

Wieder ein Mehrfacheintrag. Ich war seit meiner Abreise von der Mushroomfarm Lodge am 04.Juli nicht mehr im Internet, also gibts nun einiges zu lesen fuer euch :-)

 

 

04.07.2011, 13:00

 

Endlich wieder auf der Strasse. Nach grossartigen 3 Wochen in der Mushroom Farm Lodge bin ich jetzt wieder mit dem Rad unterwegs. Es fuehlt sich etwas seltsam und ungewohnt an, die Abschiedsweine vom Vorabend machen sich bemerkbar, doch es laeuft. Der Weg von Manchewe bis Phwezi fuehrt ueber 55 Kilometer eine ungeteerte, ziemlich miese Strasse. Ich habe meinen ersten “Sturz” hinter mir, Vorderrad auf Kies blockieren sollte man besser unterlassen. Nix passiert ausser einem Kratzer.

Die Menschen sind erstaunlich. Sie leben relativ abgeschieden ein total einfaches Leben und strahlen so viel Freude aus. Das Gruessen nimmt kein Ende. Eine Banane kostet 2,4 Cent und ist extrem schmackhaft. Ein 50 MK (malawische Kwatscha) Schein (24 cent) bringt die Haendler ins schwitzen, da sie kein Wechselgeld auftreiben koennen. Das ist generell die Regel hier, was ich nicht so ganz verstehe, mich aber doch immer wieder amusiert. Ich sitze nun in Phwezi, habe mich gerade mit einer ordentlichen Portion Nsima (aufgequollenes Maismehl), doch nun wirds deutlich leichter auf geteerter Strasse. Weiter gehts.

 

05.07.2011, 8:30

 

Dinge aus dem Alltag eins Radfahrers in Afrika:

  • “How far is it to < beliebigen Ort einsetzen >”
  • “No, s’not far”
  • “Thank you”

 

06.07.2011, 8:30

 

Gestern war ein anstrengender aber interessanter Tag. Wider Erwarten konnte ich am Abend zuvor den bisher besten Schlafplatz auf einem brachliegenden Feld 5 Kilometer vor Ekwendeni finden. Selbst morgens konnte ich in aller Ruhe meinen Tee kochen und darauf warten, bis mein Zelt getrocknet war. In Ekwendeni habe ich ein paar Dingen eingekauft, um mich Essenstechnisch etwas unabhaengiger zu machen. Am Police Post wurde ich angehalten und kontrolliert, passiert sonst nie, aber ausgerechnet heute ist der Malawische Praesident in Mzuzu zu Gast. Und siehe da, die Beamten werden fuendig, mein Visum ist vor einem Tag abgelaufen. Dummer Zahlendreher meinerseits, ich war mir sicher dass es bis heute (sechster) gueltig ist, aber das war falsch, tatsaechlich wars bereits am vierten abgelaufen. Nach etwas herumdiskutieren und einem Telefonat lassen sie mich weiter, mit der Bedingung, dass ich schleunigst im Immigration Office in Mzuzu aufschlagen soll. Da wollte ich eh hin, also kein Problem.

Auf dem Weg blaest mir starker Wind entgegen, ich komme kaum von der Stelle, dann eine Autoschlange und wieder Polizei: “You stop here!” Ich warte 2 Minuten, dann faehrt eine Autokolonne vorbei, biegt 10 Meter vor mir in die Mzuzu University ab. Mittendrin das Auto des Praesidenten mit heruntergelassenenScheiben. Im Auto sitzt er mit seiner Gattin. Sieht man auch nicht alle Tage. Die Studenten stehen singend und tanzend am Universitaetseingang.

Am Immigration Office angekommen verwickel ich den Beamtem in ein nettes Gespraech, bevor er ueberhaupt in den Reisepass hineinschauen kann. “Hello, how are you” – “Where are you from” – “I’m from Germany with the bicycle, going to Cape Town.” Der Beamte ist begeistert. Ohne auf das Datum des Eingangsstempels zu schauen drueckt er mir den Stempel zur Visumsverlaengerung in den Pass, bemerkt dann: “Oh, your Visa expired yesterday… hmmm … Ok”, gibt mir den Pass und laesst mich gehen. Schwein gehabt!

Kurz nach Mzuzu gehts bergab, ich treffe Franz und Barbara, die mit dem Rad von Durban (Suedafrika) nach Mombasa fahren und quatsche ein bisschen.

Heute fahre ich dann “nur” noch bis Nkatha Bay, wo ich vor gut 3 Wochen schon einmal war. Ab heute betrete ich Neuland!

 

09.07.2011, 20:30

 

4 Tage lang ging es entlang des Malawisees von Nkatha Bay bis Mua. Vier Tage zusammen mit Joshua, ebenfalls mit dem Fahrrad nach Cape Town unterwegs, gegen dauerhaft starken Gegenwind ankaempfen. Es war gut einen Mitleidenden an der Seite gehabt zu haben. Joshua hat vor mir auf der Mushroom Farm gearbeitet, ist dann fuer 3 Wochen in Mzuzu, Likomi Islands und Nkhata Bay gestrandet. Wie der Zufall es so wollte, hat er seine Weiterfahrt genau an dem Tag geplant, als ich ebenfalls in Nkhata Bay war. Er faehrt nun weiter ueber Blantyre nach Mosambik, waehrend mein Plan schon wieder am Umfallen ist. Also doch Zambia und Victoriafaelle statt ueber Mosambik nach Harare, Simbabwe. Aber davon mehr wenn der Plan fest steht. Erstmal gehts nun doch noch nach Cape Mclear, einem der schoensten Orte am Malawisee. Aber zurueck zu den 4 Tagen. Abgesehen von dauerhaft starkem Gegenwind gabs auch tolle Begegnungen mit netten Menschen, gute Schlafplaetze und einem Fastschlafplatz der Extraklasse. Waeren da nicht die Krokodile am Bua River. Tolle Gegend am Nkhota Khota Nationalpark entlang. Hier am suedlichen Teil des Sees gibt es wieder mehr Moslems als Christen, bisher war alles sehr christlich gepraegt.

Ich bin nun komplett auf Selbstversorger umgestiegen. So geniesse ich nun den Gang ueber die Maerkte der kleinen Ortschaften, die reichlich zu bieten haben: Gemuese, Obst, frischen Fisch, Erdnuesse. Und das meist zu Spottpreisen. 1 cent pro Banane geht in Ordnung wuerde ich sagen.

Vorgestern Nacht haben wir nach dem Ok des Ortschefs am Rand eines Fussballfeldes genaechtigt, was zur Folge hatte, dass wir unser Abendessen umringt von den Dorfkindern kochen mussten, die interessiert jede Bewegung verfolgten. Gestern Nacht haben wir uns das Fragen gespart. Grosser Fehler! Prompt wurden wir entdeckt. Der Property Manager wurde gerufen und wir mussten uns erklaeren. Nach einer langen Diskussion (alles habe ich nicht kapiert, zum Beispiel der Vergleich mit Osama Bin Laden ??) und etlichen Telefonaten (Buerokratie…) war alles geklaert – Haende geschuettelt – wir duerfen bleiben. Im Prinzip das Ganze nur weil die Bewohner Angst vor uns hatten. Im Lauf der Diskussion fielen legendaere Saetze die mir noch lange im Gedaechtnis bleiben werden:

Did you hear that? We can NOT expect, that everyone in Europe is rich.”

- sowie -

If you write a book, please write in a more positive way about me”

Abgemacht: Elijah ist der grossartigste Mensch den ich kennengelernt habe !!!

Heute schlafen wir auf dem riesigen einer Secondary School in Mtakhataka. Diesmal selbstverstaendlich nach Absprache mit dem hiesigen Schulmanager. Super Platz mit Nachtwaechter, der uns den Platz fuer Zelt schoen fegt und einem Schueler, der in bestem Englisch nachfragt, ob wir Hilfe benoetigen. Die Angst des Managers, dass es kalt werden koennte, teilen wir nicht, wir schlafen gerne im Zelt, und brauchen die Turnhalle nicht.

Frisch gebadet – wir nutzten den Malawisee in Chipoka nochmals – schluepfe ich nun in den Schlafsack und sage Gute Nacht!

 

 

12.07.2011, 14:00

 

Wie schnell es doch gehen kann: Nun sitze im South Luangwa Nationalpark in Sambia auf einem 87er Landrover. SAFARI ! Kurzentschlossen bin ich von Cape Mclear mit Clare und Matt, zwei Australiern in meinem Alter mitgefahren. Das Fahrrad auf dem Dach des grossartigen Gefaehrts. Am 17. Juli muessen sie in Lusaka, der Hauptstadt Sambias sein, bis dahin fahre ich mit. Auf dem Weg dorthin heisst es Safari mit dem eigenen Auto, kochen am Fluss mit Aussicht auf Krokodile, Flusspferde und Antilopenherden. Bislang haben wir Loewen, Giraffen, Elefanten, Flusspferde, verschieden Antilopenarten, Warzenschweine, Geier, Hyaenen, Bueffel und Krokodile gesehen. Die Leoparde machen sich noch rar.

Eine tolle Erfahrung statt mit dem Fahrrad, Afrika aus der Perspektive der Allradmenschen zu betrachten. Abends wird lecker gekocht, kann man doch deutlich mehr gute Dinge transportieren als auf dem Rad. Auf laengere Sicht bevorzuge ich dennoch meinen Drahtesel, vor allem aber auch aufgrund der Kosten dieses Spritfressers.

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Neues von der Front

Zur Zeit gibt es von mir nur spaerlich Berichte von mir, was einerseits an der schlechten Internetinfrastruktur liegt, als auch daran, dass es nicht viel zu Berichten gibt, da ich stationaer bin, und wenig Zeit und auch wenig Lust habe am Computer zu haengen.

Zusaetzlich ist der Strom begrenzt ist, da es hier nur Solarenergie gibt. Wenn die Sonne nicht scheint gibts einen Engpass.

Die Mushroom Farm Lodge ist ein grossartiger Platz. Relativ ruhig, abseits des Malawisees, aber nicht zu ruhig. Einige Backpacker finden den Weg herauf und geniessen den grossartigen Ausblick und die Wanderungen in der nahen Umgebung. (Manchewe Wasserfaelle, Livingstonia).

Ich erledige was auch immer zu tun ist. Huehner, Enten und Hunde fuettern, Gaeste bedienen, beim Kochen helfen. Wir haben eine grossartige Koechin, Efreeda, die hier schon seit 5 Jahren arbeitet. Zusaetzlich bin ich fuer den Papierkram und die Geldangelegenheiten zustaendig. Natuerlich noch jede Menge andere Dinge zwischendrin wie Bauarbeiten – ich baue eine Mauer oder installiere Lampen etc. Alles in allem bin ich recht gut beschaeftigt, das schwankt aber sehr, je nachdem wieviele Gaeste da sind. Manchmal gibt es nur ein bis zwei Gaeste, am Abend kommen 10 neue zur gleichen Zeit, aber normalerweise sinds immer so 4-8 Gaeste. Fuer die recht kleine und gemuetliche Lodge ist das Prima.

Es gibt 3 Zimmer, und 5 Zeltplaetze und 2 Zelte fuer Autodach-Camper. Das Essen ist fantastisch, ich kann sicherlich wieder das ein oder andere Kilogramm zulegen, bevor es mit meiner Reise weitergeht. Auch die Getraenke sind fuer mich umsonst. Alles in allem ein schoener Ort zum verweilen, es ist gut was zu tun zu haben, nebenbei lerne ich noch sehr viel was es bedeutet so einen Ort aufzubauen und nachhaltig zu gestalten, wie viel Arbeit man hat, und wie langsam alles laeuft.

Neben der Sonnenenergie gibt es eine Kompost-Toilette, jeden Tag frische Huehnereier, Kraeutergarten, gutes Trinkwasser von der nahen Quelle. Gekocht wird mit Feuer, auch das Wasser fuer die Dusche wird mit Feuerholz erwaermt.

Mir gehts gut.

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Mushroom Farm

In Baelde kommt ein groesseres Update von mir, aber jetzt erstmal in Kuerze:

Ich bin tatsaechlich etwas haengengeblieben, 2 Tage war ich im Chitimba Camp, wo ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe, bin dann mit 2 Hollaenderinnen in die Berge gehiked. Oben sind wir in einer Backpackerslodge namens Mushroom Farm (http://themushroomfarmmalawi.com/) untergek0mmen. Die Lodge liegt 600m ueber dem Malawisee direkt auf den Felsen mit wundervollem Ausblick, tollem Klima und gutem Essen. Der Besitzer hat mir angeboten dort fuer ein paar Wochen zu arbeiten. Und ich hab mir gedacht, wieso nicht ? Ich hab Zeit genug, und die Reisekasse dankt es mir. Ich verdiene kein Geld, muss aber auch nichts ausgeben. Ich fange heute Abend an.

Die letzten Tage habe ich noch die Zeit am See genossen. Im paradiesischen Nkata Bay, wo die Malawische Backpacker Szene Party macht. Wunderschoen mit Felsenstrand, Tauchspots und tollen Bars und einer netten kleinen Stadt, die alles bietet was man so benoetigt.

Gruesse nach Deutschland.

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Am Malawisee

Wieder ein Mehrfacheintrag von mir. Das Internet hier ist sehr teuer, aber auch gut. Aber wenn man nur den Computer benutzt, aber nicht ins Internet geht, ist es kostenlos. So kann ich alles schreiben und Bilder sortieren und kovertieren, und dann schnell ins Netz stellen. Sehr Praktisch.

Viel Spass beim Lesen und nicht vergessen zu kommentieren ;-)

 

 

Eintrag vom 01.06.11, 13:30

 

Von Iringa geht’s nach Mbeya. Gleich nach fuenf Kilometern habe ich den ersten anderen Radreisenden getroffen. Hosun Lee aus Korea, der von Johannesberg nach Europa faehrt, was aber nur ein Teil seiner Reise ist, die nun schon 13 Monate und 23.000 Kilometer geht. Seine Webseite (koreanisch): www.bikem.co.kr (google-translate hilft). Selbstverstaendlich habe ich ihn eingeladen, wenn er nach Deutschland kommt. Dann duerfte ich schon wieder zurueck sein.

 

Eintrag vom 03.06.11, 13:30

 

Gestern war ein extrem beschissener Tag. Ich weiss nun auch, weshalb es kaum frisches Gemuese gibt. Es war wohl ein Fehler mir einen Salat zu machen, aber es war so verlockend. Die ganze Nacht lag ich mit Bauchkraempfen in der Haengematte. Am Morgen kontte ich nicht aufstehen, so bin ich erst um 13 Uhr ohne Gruehstueck losgefahren. Hab mir irgendwann ein Teller Pommes geben lassen, die Haelfte stehen lassen, auch keine Lust auf Abendessen. Und dann gabs auch keine Schlafplaetze weit und breit, ueberall Felder und Haeuser und Afrikaner, dabei braucht man gerade an so einem Tag seine Ruhe. Also doch noch ganze 60 Tageskilometer bis ich etwas gefunden habe. Kurz vor Makambaku im Gestruepp, aber ganz gut eigentlich. Die Nacht habe ich aber gut geschlafen und bin heute wieder recht fit. Ich scheine auch alle verlorenen Kilometer aufholen zu koennen. Obwohl ich es ueberhaupt nicht darauf anlege, habe ich bereits 100 Km bei 24 Km/h im Durschnitt bis zur Mittagspause. Rueckenwind sei dank, vor allem aber auch der Tatsache, dass es die letzten Tage fast nur bergauf ging, und ich jetzt die Fruechte der Arbeit ernten kann. Allerdings geht es jetzt so langsam ins Gebirge.

Die Mittagspause ist gut gewaehlt: Normal gibts nur labbrige und alte Pommes, doch heute kann der Afrikaner Englisch. Ich hab ihm gesagt ich will frische und knusprige. Nette Menschen mal wieder.

 

Eintrag vom 04.06.11, 22:30

 

Malawi! Ein neues Afrikanisches Land. Einige Dinge sind anders hier: Deutsche benoetigen kein Visum, bekommen einfach einen Stempel in den Pass. Warum Oessterreicher hingegen zahlen muessen erschliesst sich mir nicht ganz, aber mir solls recht sein.

Gestern bin ich noch 168 Kilometer weit gefahren, hab nen ganz guten Schlafplatz an einem Bach gehabt in dem ich richtig gruendlich waschen und mein Wasserfilter an Flusswasser ausprobieren konnte. Normal lass ich mir immer Wasser abfuellen, dass die Afrikaner in grossen Bottichen haben, welches sie trinken. Das lass ich dann auch durch den Filter laufen und so das Wasser ist super geniessbar.

Heute gings dann richtig in die Berge, erstmal nur bergan, bis kurz vor Mbeya, wo die Strasse nach Malawi abzweigt. Mbeya liegt schon auf 1600 Metern, aber dann gings nochmals gut ueber 500 Meter bergan. Aber von den Bergen bin ich doch etwas enttaeuscht. Wer einen schoenen Gebirgspass oder Aehnliches erwartet wird enttauescht, eigentlich sinds nur Huegel. Zwar hohe Huegel, aber Huegel. Ich hatte mir ja ueberlegt den Mount Rungwe zu besteigen, doch nachdem ich ihn gesehen habe, zumal noch in den Wolken, bin ich von dem Vorhaben abgekommen. Da muss ich echt auch mal wieder eine Lanze brechen fuer unsere wunderschoenen Alpen. Verglichen mit allen Gebirgen, in denen ich war – und das sind mittlerweile eine ganze Menge – sticht es deutlich heraus, vielleicht neben dem Himalaya, dass wegen seiner schieren Groesse eine Sonderkategorie einnimmt. Auch die Strasse bis zur Malawischen Grenze, eigentlich ueber 1500 Hoehenmeter bergab (der See liegt auf 500m) findet immer noch einen Huegel ueber den man fahren kann, bis man endlich unten ankommt. Dann nach Malawi, ging alles total easz. Aber eigentlich wollte ich mir kurz nach der Grenze einen geeigneten Schlafplatz suchen, doch hier gibt es keine 50 Meter ohne Menschen, ohne Huetten, eigentlich ein grosses Dorf ohne Ende. So musste ich gezwungenermassen im Dunkeln weiterfahren bis zur naechsten “Stadt”, Karonga, am Malawisee gelegen. Dort habe ich eine Lodge mit Campingmoeglichkeit gefunden. Fuers Zelt aufstellen zahle ich 500 Kowcha, umgerechnet etwa 2,60 Euro. Bin allerdings der einzige mit Zelt. Zum See ist nur eine Mauer, das Tor ist aber schon geschlossen,, hab den See also noch nicht aus der Naehe gesehen, werde morgen mal reinspringen! Jetzt ist hier noch Party, die Afrikaner tanzen ausgelassen, ich bin nach 187 Kilometern aber etwas muede und schaue nur zu. Leider gibt es hier nur Carlsberg Bier. Die Malawischen Frauen sind bislang nicht so mein Typ, etwas zu arg aufgemotzt, ob es hier auch eine ‘alternative Szene’ gibt ? Die Anmache “Do you pay me a beer” find ich auch nicht gerade so passend… Das ist so aehnlich wie die Standardbegruessung der Kinder wenn man vorbeifaehrt: “ You give me money?”. Sollte denen mal jemand abgewoehnen, ist wohl ein malawisches Problem, Norbert hatte mich schon darauf hingewiesen, dass das hier nervig werden koennte. In Tansania gabs das nur sehr vereinzelt. Aber sonst auch alle supernett hier und ich fuehle mich weiterhin sehr sicher.

 

Eintrag vom 05.06.11, 09 Uhr

 

Alles Gute zum Geburtstag meine liebe Schwester Yvonne!!

Eigentlich habe ich ja gestern einen Schlafplatz gesucht. Das war aber mehr Partylocation, an Schlaf war kaum zu denken. So habe ich noch mitten in der Nacht meine Sachen gepackt und bin weitergezogen. Einfach um die Ecke 300 Meter weiter direkt am See! Grossartiger Platz, wieso nicht gleich so ? 30 Minuten hat der Umzug gebraucht, alles ganz schnell. Der See ist riesig und superschoen. Natuerlich habe ich dort heute morgen die noetige Hygieneprozedur vollziehen koennen, neben den erstaunten Blicken der Waschweiber, von denen eine noch kam und Zahnpasta geschnorrt hat.

Meine Bankkarte (Visa) funktioniert hier auch wieder bei normalen ATM’s, was in Tansania nicht der Fall war, dort ging es nur bei Barclay’s ATM’s, die aber in allen groesseren Staedten vorhanden waren (Tanga, Morogoro, Iringa). Hier sprechen die Menschen auch wieder Englisch. Und sie haben Hunde!

 

Gedanken ueber Afrika (1)

 

Ich habe auf dem Weg viele unterschiedliche Kirchenkonfessionen gesehen: Methodisten, Evangelikaner, Lutheraner, Baptisten, Katholiken, Roemisch-katholiken, Siebenten-Tags-Adventisten, Neuapostolische… Hab sicher einige vergessen.

Alle haben sie hier als Missionare ihr Unwesen getrieben, ich halte davon nicht sehr viel…

 

Eintrag vom 05.06.11, 0:20

 

Essen, insesondere Fruehstueck scheint nicht so das Ding fuer die Malawis zu sein, irgendwie gibts kaum Restaurants oder aehnliche Dinge. Also habe ich mir einfach Eier und Brot gekauft und Ruehrei gemacht, dazu Tee. Die Malawis haben gestaunt, wie schnell mein Benzinkocher ist. Einer wollte mit seinem Holzofen mit mir einen Wettbewerb machen wollen, aber als sein Ofen langsam heiss war, war ich fertig mit Essen. Auch zum Mittagessen war es schwierig was gutes zu finden. Ich bin dann in einer furchtbaren kleinen Huette gelandet, in der ein totes Schwein von der Decke hing. Davon wurde dann immer was abgeschnitten und das es schon fettige Schwein zusammen mit Kartoffeln im Fett fritiert. Das Ganze wurde dann in der einer Schuessel serviert, aus der jeder gegessen hat, die dann weitergegeben wurde. Aber waschen braucht man ja nicht !? Radtechnisch gings nicht so prickelnd voran, da ich staendig starken Gegewind hatte. Dafuer hatte ich zwei mal eine sehr nette Begleitung, mit denen ich ueber mehrere Kilometer hinweg sehr nette Gespraeche fuehren konnte.

Am Ende entschied ich mich noch eine Nacht am See zu bleiben, bevor die Strasse in die Berge abbiegt. So bin ich zu einem Campingplatz gelangt, absolut zufaellig, der von einem Hollaender gefuehrt wird und so voellig unafrikanisch ist. Lauter Backpacker hier, direkt am Strand, etwas gehobene Preise, aber OK. Ein Ort zum Haengenbleiben.

 

Gedanken ueber Afrika (2)

 

Wenn ich hier lang fahre finde ich es oft so schade, was aus dem gemacht wird, was vorhanden ist. Kaum etwas wird richtig gut gemacht, alles wird so gemacht, dass es eben so funktioniert, alles wirkt provisorisch. Das faengt bei den Behausungen an, ist aber generell mit allem so. Die deutsche Mentalitaet mit nichts zufrieden zu sein und deswegen Dinge perfektionieren zu wollen ist nicht die schlechteste.

 

Gedanken ueber Afrika (3)

 

Ich habe das Gefuehl, dass die Leute hier selten geniessen. Alles dreht sich um die Arbeit. Statt wie bei uns Arbeit und Leben etwas zu trennen. So sind die Straende nicht von Einheimischen bevoelkert, die Staedte und Doerfer immer 2 Kilometer vom See entfernt, wo es fruchtbar ist, also gut fuer die Arbeit, statt am Ufer mit schoener Uferpromenade oder Gruenen flecken, Parks, oder Aehnlichem. Sowas gibts hier nicht. Wenn Afrikaner an den Strand kommen, dass um Waesche zu waschen, die Kuehe zu traenken oder um den Westlern Dinge anzudrehen und ihnen dabei auf die Nerven zu gehen. Discos bilden eine Ausnahme.

 

Gedanken ueber Afrika (4)

 

Alles dreht sich um Geld, die Kultur des Gebens und Nehmens, Leute einladen, Dinge tun, ohne eine monetaere Gegenleistung zu verlangen oder zumindest zu erwarten ist hier nicht weit verbreitet. Schade eigentlich, aber auch irgendwie verstaendlich, leben doch die meisten von der Hand in den Mund. Aber ganz stimmt das auch nicht. Die Menschen hier sind schon auch sehr hilfsbereit. Aber das ist halt kein Vergleich mit der Gastfreundlichkeit, die uns in den islamischen Laendern entgegengebracht wurde.

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